Winterhilfstransport nach Winnitsa in der Ukraine

Der Lkw ist mit über 50 Paletten hochwertiger Babynahrung beladen, dazu noch Kleidung und Decken. Deshalb fahren wir dieses Mal statt zu unserem Krankenhaus in der Ukraine zu einem befreundeten Kinderhilfswerk in Winnitsa.

Es sollte ein herausfordernder und anstrengender Transport werden.

Wir hatten einen guten Start und kamen bei schönen Wetter anfangs gut voran. Doch war sehr viel los. So hatten wir im Lauf des Tages zwei Autobahn Vollsperrungen, wodurch wir viel Zeit verloren. Aber dafür lernten wir bei der zweiten Vollsperrung, die wir dann zumindest ein Stück umfahren konnten, eine sehr schöne Gegend kennen. Zurück auf der Autobahn, es war schon Abend, aber wir waren noch nicht mal bei Hof, machte der Lkw Probleme. An langen Bergen hat er plötzlich keine Leistung mehr und qualmte aus den Auspuff. Wir beschlossen, erst einmal auf einem Rasthof zu übernachten, um dann am nächsten Morgen bei einer Werkstatt vorbeizuschauen. Doch auf Rat von meinem Freund, der bei Mercedes arbeitet, wechselten wir am nächsten Tag in strömenden Regen den Vorfilter. Und siehe da, das Problem trat nicht mehr auf. Wahrscheinlich war der Diesel aus Moldawien, den wir beim letzten Transport tankten, einfach nicht ganz so gut. Wir besuchten dann zum Mittagessen unsere Freunde bei Dresden und weiter ging‘s Richtung Polen. Noch waren die Straßen frei.

 

Doch kaum im Polen fing der Schneefall an. Zuerst sachte, und die Autobahn war frei. Richtung Breslau wurden die Fahrbahnen immer weißer, Folge war ein langer Stau, den wir wieder teilweise umfahren konnten. In Breslau macht mir dann eine Pause im Jula, einem schwedischen Baumarkt, der Männerherzen höher schlagen lässt.

Danach wurde die Autobahn zu einer Eisbahn. Langsam fuhren wir weiter gen Osten und wurden immer wieder recht zügig überholt. Später trafen wir dann den einen oder anderen, der uns zuvor überholt hatte, im Graben wieder. Wir kamen trotzdem ganz gut vorwärts, auf der Landstraße war es dann festgefahrener Schnee und es ging besser. Auf einem Rasthof hatten eine ruhige Nacht und am nächsten Tag waren die Straßen wieder relativ gut geräumt. So kamen wir dann gegen Abend an der Grenze zur Ukraine an. Hier war ein langer Rückstau, doch wir konnten an ihm angespannt vorbeifahren und waren froh, dass der Zöllner uns vorne rein ließ. Die Formalitäten auf polnischer Seite ging zügig, auf ukrainischer Seite dafür umso zäher. Stundenlang warteten wir, bis die Deklaration fertig ist. Es gab keine Probleme, aber gut Ding will Weile haben. Spät in der Nacht konnten wir dann in die Ukraine einreisen und übernachteten an unserer bewährten Tankstelle direkt nach der Grenze.

Am nächsten Tag lag eine lange Etappe vor uns. Bis Lvov waren die Straßen frei. Doch während wir dort tanken setzte ein Schneesturm ein, in nullkommanix war alles von einer dicken Schneedecke bedeckt. Dank unserer guten Winterreifen kommen wir trotzdem voran, wenn auch deutlich langsamer. Und so ist es den ganzen Tag. Mal ist die Straße schneeweiß, dann wieder frei. Aus Nordosten weht ein kräftiger Wind und so hat es immer wieder auch größere Schneeverwehungen. Trotz allem kommen wir spät abends wohlbehalten in Winnitsa an und treffen dort am Ortsschild unseren Kontaktmann. Er geleitet uns zum Zollhof, wo wir den Lkw abstellen und lädt uns noch zu einem leckeren Essen ein.

 

Am nächsten Morgen dann großes Hallo beim Zoll: wir sind der erste Hilfstransport, der in Winnitsa verzollt wird. Gleich am Anfang sagen mir die Zöllner, dass sie erst morgen fertig sein werden. Ich erklär Ihnen, dass das nicht geht und wir heute abladen müssen. Und tatsächlich schaffen wir es mit vielen Kontrollen, dass wir gegen Abend den Zollhof verlassen dürfen und den Lkw entladen können. Unser Kontaktmann erklärt mir danach, dass die Zöllner schwer von unseren DHHN Pullovern, dem passenden Briefpapier und der Beschriftung des LKWs beeindruckt waren. So erweckten wir den Anschein einer seriösen Organisation (was wir ja auch sind) und wurden deshalb noch am gleichen Tag abgefertigt.

In einer großen Lagerhalle konnten wir den Lkw abladen. Ein bekannter Geschäftsmann unseres Partners hat dort ein beheiztes Lager, in welchen wir einen Teil mit unseren Hilfsgütern nutzen durften. Und so ging das Abladen mit vielen Helfern recht schnell. Die Augen strahlten, als sie die vielen hochwertigen Produkte sahen. Mir wurde ausführlich erklärt wie die Hilfsgüter dann verteilt werden.

 

Am Abend machten wir uns noch auf den Rückweg und übernachteten dann bei einer Tankstelle. Am nächsten Tag ging‘s zuerst gut voran, bis wir von einer Bauern-Demo auf der Autobahn ausgebremst wurden. Da hieß es warten. Wenig später setzte auch Schneefall ein und die Straßen wurden wieder sehr glatt. Doch langsam aber sicher bewegten wir uns Richtung Westen. Wir beschlossen, auch wenn es schon spät war, noch am gleichen Abend die Karpaten zu überqueren. Man weiß ja nicht, wie viel Schnee noch kommt und ob die Straße wieder blockiert wird. Doch die Straße wurde eher freier und so fuhren wir noch bis auf die Westseite der Karpaten, wo wir an einer Tankstelle dann übernachteten. Am nächsten Tag besucht mir natürlich noch das Jugendhaus, wo ich mit Slawik einige Sachen besprechen musste und die auch einen Termin mit einem Rechtsanwalt hatten, um ein paar Sachen für die Zukunft zu durchdenken.

Gegen Abend verabschiedeten wir uns fröhlich von Slawik in der Gewissheit, dass mittwochabends an der Grenze eh kaum was los ist. So war es zumindest bisher, heute erwartete uns 2 km Lkw Schlange. Ich hab schon überlegt, ob die Grenze geschlossen ist oder ob sie streiken, so ungewöhnlich ist das. Doch wie üblich fuhr ich an der langen Schlange vorbei und wartete dann vorne über 1 Stunde bis es weiter ging, in zweiter Reihe. Wir wurden dann ohne Probleme von einem Ukrainer, der neben uns stand, in die Schlange hinein gelassen. Als Dank brachte ich ihm eine Tafel Ritter Sport, die er gar nicht annehmen wollte. Am Zoll klappt dann alles recht gut, wir konnten immer wieder ganz schön Zeit gewinnen und waren dann gegen Mitternacht wieder in der EU. Wir fuhren noch ein Stück nach Ungarn rein, wo wir dann an einer Tankstelle übernachteten. Auf freien Straßen ging‘s dann weiter Richtung Heimat, die wir zwei Tage später wohlbehalten erreichten.

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