{"id":3901,"date":"2015-01-19T12:03:15","date_gmt":"2015-01-19T12:03:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dhhn.de\/?p=3901"},"modified":"2018-08-27T06:40:42","modified_gmt":"2018-08-27T06:40:42","slug":"hilfseinsatz-der-ukraine-dezember-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dhhn.de\/en\/hilfseinsatz-der-ukraine-dezember-2014\/","title":{"rendered":"Hilfseinsatz in der Ukraine Dezember 2014"},"content":{"rendered":"<p>Samstag morgen. Es schneit. Es hat die ganze Nacht geschneit. Ganz Oberschwandorf ist wei\u00df. 20 cm Pulverschnee. Der beladene und verplombte Lkw steht in einer Seitenstra\u00dfe und nach dem Fr\u00fchst\u00fcck stapfe ich durch tiefen Schnee zu ihm.<\/p>\n<p>Wir wollen weit weg. Einen Hilfstransport in die Ukraine fahren. Doch nun muss ich mir erstmal \u00fcberlegen, wie wir aus Oberschwandorf kommen. Wegen Baustellen sind viele Stra\u00dfen gesperrt, und ich kann nicht einfach das Tal runterfahren. So fahre ich auf schneewei\u00dfen Stra\u00dfen \u00fcber Egenhausen, ab hier folgt mir David in seinem Pkw, nach Walddorf. Hier durch den Ort, damit ich das steile Gef\u00e4lle umgehen kann runter ins Nagoldtal. Dank der neuen Reifen kommt der Lkw gut durch, selbst die lange Steigung aus Nagold zum Schotterwerk Mayer ist kein Problem.<\/p>\n<div id=\"attachment_3903\" style=\"width: 1040px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3903\" class=\"size-full wp-image-3903\" src=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5155.jpg\" alt=\"...unterwegs durch Schnee und Eis\" width=\"1030\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5155.jpg 1030w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5155-300x116.jpg 300w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5155-600x233.jpg 600w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5155-705x273.jpg 705w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5155-450x174.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1030px) 100vw, 1030px\" \/><p id=\"caption-attachment-3903\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;unterwegs durch Schnee und Eis<\/p><\/div>\n<p>Auf der Autobahn ist dann die rechte Spur mehr oder weniger frei, und wir kommen gut voran. Doch ab Wendlingen ist Schluss mit Lustig. F\u00fcr die n\u00e4chsten 70km bis Ulm brauchen wir Stunden. Um 16:30 kommen wir endlich in Neu-Ulm bei der Mercedes-Werkstatt an. Hier lassen wir den Golf stehen, denn auf der R\u00fcckreise machen wir es andersrum: Der Lkw hat ein paar Reparaturen vor sich und wir fahren mit dem Golf heim.<\/p>\n<p>Ab jetzt sind wir zu zweit und die Autobahn ist quasi frei. Naja, mehr oder weniger. Am im Vergleich zum Schnitt von 20km\/h bis Ulm ist fast alles andere besser. Wir entschlie\u00dfen uns, \u00fcber Passau und Deggendorf zu fahren. So umgehen wir das Alpenvorland und haben recht passable Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse. Trotz des ganzen Schnees kommen wir noch bis zum Rasthof Donautal bei Passau, wo wir \u00fcbernachten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen kamen wir auf verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig freien Autobahnen bis St. P\u00f6lten, wo wieder Schneefall einsetzte. Deshalb fuhren wir nicht die direkte Strecke, sondern hinten rum entlang der Donau \u00fcber Krems nach Wien. Zum Mittagessen trafen wir uns beim Paprika Csarda an der ungarischen Grenze mit einem befreundeten Hilfstransport und lie\u00dfen uns das (Nach-)Mittagessen schmecken.<\/p>\n<p>Ab Budapest gab es dann keinen Schnee und wir fuhren noch bis kurz vor die ukrainische Grenze. Am letzten Autobahnrasthof \u00fcbernachteten wir. Am Montag stand dann die Grenze auf dem Programm: dank der Feiertage war fast nichts los, und wir konnten innerhalb von 40 Minuten die ungarische Grenze passieren. Auf der anderen Seite der Theiss ging es etwas gem\u00fctlicher. Doch dank Slawiks Hilfe, er ist der Leiter des Jugendhauses und kam zur Grenze, waren wir gegen Mittag fertig und konnten nach Ushgorod fahren. Wie immer leider nur auf den Zollhof, wo der Lkw bis zum n\u00e4chsten Tag blieb und Slawik immer wieder hin musste, um die Papiere zu machen. Wir wurden unterdessen im Jugendhaus einquartiert, konnten uns duschen und bekamen leckeres Essen.<\/p>\n<p>An diesem Tag morgens um 4 Uhr ist auch die Einsatzgruppe in Deutschland aufgebrochen, 14 junge Leute, die mit uns Hilfsg\u00fcter verteilen und die Jungs im Jugendhaus kennenlernen wollen.<\/p>\n<p>Gegen 16:00 k\u00f6nnen wir dann den Lkw vom Zollhof holen und unter Aufsicht des Z\u00f6llners im Jugendhaus bei eisigem Wind entladen. Alle Jungs packen flei\u00dfig mit an und mit gro\u00dfer Begeisterung leert sich der Lkw. Zum Gl\u00fcck haben wir dort eine gro\u00dfe Halle. Leider brachte der Z\u00f6llner dann eine Plombe an der Halle an, so dass wir w\u00e4hrend des Einsatzes keine G\u00fcter verteilen konnten. Grund war, dass die Lebensmittel f\u00fcr den Zoll analysiert werden mussten.<\/p>\n<div id=\"attachment_3909\" style=\"width: 1040px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3909\" class=\"size-full wp-image-3909\" src=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5284.jpg\" alt=\"Mit viel Spass!\" width=\"1030\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5284.jpg 1030w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5284-300x116.jpg 300w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5284-600x233.jpg 600w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5284-705x273.jpg 705w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-5284-450x174.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1030px) 100vw, 1030px\" \/><p id=\"caption-attachment-3909\" class=\"wp-caption-text\">Mit viel Spass!<\/p><\/div>\n<p>Am sp\u00e4ten Abend kommt dann die Gruppe an, und es gibt zur Begr\u00fc\u00dfung noch einen kleinen Snack.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Tage sind mit eine vielf\u00e4ltigen Programm gef\u00fcllt: Ein Schwerpunkt ist es, die Jungs im Jugendhaus zu fordern und zu f\u00f6rdern. So basteln wir Styroporflieger mit ihnen, biegen Kreuze, Brillen und Mercedessterne aus Schwei\u00dfdraht, spielen Fu\u00dfball, spannen die Slack-line. Abends und nachmittags treffen wir uns im Saal, singen zusammen, schauen uns die Geschichte Gottes mit uns an, machen Gruppenspiele und haben viel Spa\u00df. Silvester erleben wir im Zentrum von Ushgorod gemeinsam mit hunderten Menschen und bestaunen das dieses Jahr deutlich kleinere Feuerwerk. Der Pr\u00e4sident hat dazu aufgerufen. Wenn im Osten des Landes Krieg ist soll man im Westen nicht ausgelassen feiern.<\/p>\n<p>Wir machen einen gro\u00dfen Spaziergang durch die Stadt, besichtigen die Kathedrale, die Burg und den Bahnhof. Doch f\u00fcr uns Ranger ist der geheimnisvolle See der H\u00f6hepunkt. Hinter dem Jugendhaus ist ein gro\u00dfer Granitsteinbruch. In Sowjetzeiten, w\u00e4hrend dort noch Steine abgebaut wurden, lief die Grube \u00fcber Nacht mit Wasser voll. Man konnte nur wenige Fahrzeuge retten, die meisten Ger\u00e4tschaften liegen noch im See. Wilde Theorien entstehen: Da der See nicht zugefroren ist, der Fluss Usch jedoch schon, mutma\u00dfen wir, ob da unten nicht ein atomgetriebener sowjetischer Bagger noch immer arbeitet\u2026 J Nicht weit vom Jugendhaus entdecken wir noch einen gesch\u00e4ndeten j\u00fcdischen Friedhof, was uns traurig macht.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Tagen haben wir auch einige Eins\u00e4tze au\u00dferhalb des Jugendhauses. Zuerst in einer kleinen Schule f\u00fcr Zigeuner. Die Kinder haben eigentlich Ferien, aber wegen uns sind sie doch gekommen. Und so machen wir ein kleines Programm mit Liedern und einem Anspiel. Auch die Kinder singen uns ein paar sch\u00f6ne Lieder vor. Dann gibt es endlich die ersehnten Geschenkpakete. Die Augen strahlen und uns werden gleich S\u00fc\u00dfigkeiten aus den Paketen angeboten. F\u00fcr uns ist das sehr bewegend. Da bekommt so ein kleines Kind evtl. zum ersten Mal in seinem Leben so ein Geschenk, und was passiert? Es teilt ganz freigiebig mit uns!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3969\" src=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-55801.jpg\" alt=\"DHHN-5580\" width=\"1030\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-55801.jpg 1030w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-55801-300x116.jpg 300w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-55801-600x233.jpg 600w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-55801-705x273.jpg 705w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-55801-450x174.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1030px) 100vw, 1030px\" \/><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag besuchen wir ein Altenheim. Hier sind nur Menschen, die keinerlei Angeh\u00f6rige haben. Und so berichtet uns der Direktor, dass wir seit Bestehen des Heimes der erste Besuch sind, den die armen alten Menschen bekommen. Wir gehen von Zimmer zu Zimmer, singen ein paar Chor\u00e4le und Weihnachtslieder. Einige der alten Menschen haben Tr\u00e4nen in den Augen, einige von uns auch. Wir haben T\u00fcten mit Obst vorbereitet und es ist r\u00fchrend zu sehen, wie sich die Menschen \u00fcber das Obst, aber ich glaube noch viel mehr \u00fcber unseren Besuch, freuen.<\/p>\n<p>Am letzten Tag haben wir noch einen Einsatz in einem Heim f\u00fcr k\u00f6rperlich und geistig behinderte Kinder. In den sowjetischen Zeiten wurden solche Heime weit ab in der Pampa gebaut. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Und so hatten wir eine beschwerliche Fahrt mit reichlich Schnee dort hin. In dem Heim sind ungef\u00e4hr 120 Kinder untergebracht. Beim Betreten des Heims schl\u00e4gt uns ein widerlicher Geruch entgegen, doch wir gew\u00f6hnen und schnell dran. Von Zimmer zu Zimmer gehen wir. Meist singen wir ein Lied, was die Kinder v\u00f6llig begeistert. Sie tanzen mit uns, klatschen, schreien, oder wie auch immer sie ihre Freude ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Danach gibt es Obst und Saft. Viele Kinder m\u00fcssen wir f\u00fcttern, aber man sieht ihnen an, dass es ihnen gut schmeckt und es f\u00fcr sie etwas Besonderes ist. Die Kinder genie\u00dfen es, wenn wir sie auf den Arm nehmen, mit ihnen Spa\u00df haben. Andere Kinder, die im Bett liegen m\u00fcssen, sind total gl\u00fccklich, wenn man sie eine Weile \u00fcber den Kopf oder Arm streichelt. Es ist so einfach, die Kinder zum L\u00e4cheln zu bringen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3939\" style=\"width: 1040px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3939\" class=\"size-full wp-image-3939\" src=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-6105.jpg\" alt=\"Beim Essen m\u00fcssen wir helfen\" width=\"1030\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-6105.jpg 1030w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-6105-300x116.jpg 300w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-6105-600x233.jpg 600w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-6105-705x273.jpg 705w, https:\/\/www.dhhn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/DHHN-6105-450x174.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1030px) 100vw, 1030px\" \/><p id=\"caption-attachment-3939\" class=\"wp-caption-text\">Beim Essen m\u00fcssen wir helfen<\/p><\/div>\n<p>Leider sind in dem Heim viel zu wenige Mitarbeiter. Doch diese geben ihr Bestes und sind sehr bem\u00fcht um die Kinder. Aber wenn eine Mitarbeiterin 20 Kinder betreut, wieviel Zeit bleibt dann zur F\u00f6rderung von einem einzelnen? Bis allein alle Kinder gewickelt sind\u2026<\/p>\n<p>So viel Leid. Auf der anderen Seite ist es so einfach, Freude zu bringen.<\/p>\n<p>Wieder einmal merke ich, dass die praktische Hilfe durch die Hilfsg\u00fcter total wichtig und n\u00f6tig ist. Aber auf der anderen Seite bewirken die Hilfseins\u00e4tze noch viel mehr: Die Menschen f\u00fchlen und sehen, dass sie nicht vergessen sind. Sie merken, dass in dem fernen und reichen Deutschland Menschen sind, die an sie denken und ihnen Hilfe schicken. Und dieses Wissen ist unbezahlbar. Hiermit richte ich ein ganz herzliches Dankesch\u00f6n an jeden Spender, der diesen Transport erm\u00f6glichte, aus.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen geht es nach gef\u00fcllten Tagen wieder auf die Heimreise. Die Stra\u00dfen sind inzwischen alle wieder schneefrei, uns so kommt die Gruppe wohlbehalten am Abend wieder zu Hause an, David und ich mit dem Lkw am Abend des n\u00e4chsten Tages.<\/p>\n<p>Es war ein guter Einsatz, der unseren Horizont erweitert hat. Wir sind dankbar f\u00fcr die Bewahrung und dass wir alle wieder gesund nach Hause kamen. Uns hat es bewegt, wie einfach es ist, anderen Menschen ein Freude zu machen und zu sehen, wie wichtig die Hilfsg\u00fcter von DHHN f\u00fcr die Menschen in der Ukraine sind, besonders in der schweren Zeit, die sie gerade durchstehen m\u00fcssen.<\/p>\n<div  class='avia-button-wrap av-2s9wpp-358a3596c6071671a06a389b7137fe8b-wrap avia-button-center  avia-builder-el-0  avia-builder-el-no-sibling '><a href='https:\/\/www.dhhn.de\/en\/bilder-hilfstransport-ukraine-122014\/'  class='avia-button av-2s9wpp-358a3596c6071671a06a389b7137fe8b av-link-btn avia-icon_select-yes-left-icon avia-size-medium avia-position-center avia-color-theme-color'   aria-label=\"Weitere Bilder\"><span class='avia_button_icon avia_button_icon_left avia-iconfont avia-font-entypo-fontello' data-av_icon='\ue80f' data-av_iconfont='entypo-fontello' ><\/span><span class='avia_iconbox_title' >Weitere Bilder<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag morgen. Es schneit. 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