{"id":756,"date":"2013-06-26T16:08:16","date_gmt":"2013-06-26T16:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dhhn.de\/?p=756"},"modified":"2013-06-26T16:16:48","modified_gmt":"2013-06-26T16:16:48","slug":"by-lkw-in-ollache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dhhn.de\/en\/by-lkw-in-ollache\/","title":{"rendered":"BY: Lkw in \u00d6llache"},"content":{"rendered":"<p>Ein kr\u00e4ftiger Schlag an meine Hand, das Lenkrad wars. Ich steige aus, der Lkw steht in einer \u00d6llache. Nachts um drei. Mitten im Zollhof. Was tun? Klar, erst mal die Papiere beim Zoll fertig machen. \u2013<\/p>\n<p>Ich hatte eine gute Reise in den Osten, erste \u00dcbernachtung bei lieben Freunden bei Dresden, dann frisch gest\u00e4rkt weiter. Beim Dresdner Kreuz war dann ein verwirrendes Umleitungsschild, und so bin ich einen gro\u00dfen Umweg \u00fcber Forst nach Polen gefahren. In Polen waren dann die ersten Kilometer vermutlich noch original Autobahn aus dem dritten Reich, eine Katastrophe! \u00dcbernachtung bei einem guten BP Rasthof, am n\u00e4chsten Tag weiter bis zur polnisch-wei\u00dfrussischen Grenze bei Brest. Die ganze Zeit \u00fcber herrliches Wetter! An der Grenze, ich kam um 16 Uhr an, fast kein R\u00fcckstau. In recht guter Zeit die Abfertigung auf polnischer Seite erledigt.<\/p>\n<p>[singlepic id=335 w=600 h=370 float=]<em> &#8230;Schlange im Niemandsland.<\/em><\/p>\n<p>Dann gings ans warten im Niemandsland. Immer wieder mal eine Lkw-L\u00e4nge vorw\u00e4rts. Um 21:00 bin ich dann endlich bei der Vorkontrolle von Belarus. Dann auf den Parkplatz und der Spa\u00df in der gro\u00dfen Schalterhalle geht los. Letztes Mal hatte ich mir die Reihenfolge der Schalter aufgeschrieben, und so l\u00e4uft alles wie am Schn\u00fcrchen, Spedition, Strassenged\u00f6ns, Doktor Veterin\u00e4r, Doktor Vito, dann zur\u00fcck zur Spedition, dann zum Zoll. Hier kommt\u2019s ins Stocken. Um 23:00 soll ich den Lkw r\u00f6ntgen lassen. Um 24:00 ist das erledigt. Aber ich soll noch an die Rampe fahren, und dort alle Kleiderpakete ausladen. Ich glaub, es geht los und machte den Z\u00f6llner unmissverst\u00e4ndlich klar, dass ich nicht mitten in der Nacht hier meinen Lkw auslade. Sie k\u00f6nnen ja mit nach Minsk kommen, da laden wir eh ab\u2026 Der Z\u00f6llner bringt dann Arbeiter, dich f\u00fcrs abladen bezahlen soll. Ich glaub, es geht los. Ich erkl\u00e4re nochmal, dass die Ladung in Minsk eh abgeladen wird\u2026 Wir einigen uns darauf, 10 Pakete abzuladen. Die schneiden wir kurz auf, er schaut nicht mal richtig rein und ich kann wieder einladen. Man muss nicht alles verstehen\u2026<\/p>\n<p>Ich fahre zur\u00fcck zum Parkplatz. Hier platzt beim Lenken der Schlauch der Servolenkung\u2026 Das Lenken wird extrem schwer. Aber zuerst noch die Papiere fertig machen. Um 4 Uhr wei\u00dfrussische Zeit verlass ich mit ganzem K\u00f6rpereinsatz am Lenkrad den Zollhof und \u00fcbernachte direkt nach dem Schlagbaum, \u00fcbrigens auch ein russisches Wort, am Stra\u00dfenrand. Es wird gerade schon hell\u2026<\/p>\n<p>Am Morgen dann erst mal mit Matthias in Deutschland telefoniert, er gab mir die Nummer von einem Mercedes-Service in Brest,\u00a0 also da, wo ich jetzt war und die Teilenummer f\u00fcr den Schlauch. Ich bin dann zu einem russischen Lkw-Fahrer gelaufen, hab ihn zu meinem Lkw geholt, im das Problem gezeigt und die Telefonnummer und Teilenummer dazu. Er hats dann geschnallt und f\u00fcr mich dort angerufen. Allerdings w\u00e4re das Ersatzteil erst in sieben Tagen da\u2026<\/p>\n<p>[singlepic id=339 w=600 h=370 float=]<em> &#8230;Reparatur am Strassenrand<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Also Plan B. Nochmal mit Matthias telefoniert, wie weit ich denn maximal fahren d\u00fcrfe, ohne dass etwas weiteres kaputt geht: 3km. Das ist nicht viel. Nach 1,5km sah ich rechts \u00fcber dem Feld neben der Autobahn eine Werkstatt. Warnblinker rein, hingelaufen, Mechaniker \u00fcber Feld zum Lkw mitgenommen. Und, er kanns richten! Gemeinsam bauen wir das Teil aus. Dann meint er, ich soll schlafen, er kommt in ein paar Stunden wieder. (Er musste den Hochdruckschlauch, 175bar, extra anfertigen lassen.) Mittags kam er dann wieder, inklusive frischen \u00d6l und ruck zuck war der Lkw wieder fit!<\/p>\n<p>So, ich k\u00f6nnte jetzt total \u00e4rgerlich sein, dass das passiert ist. War ich auch kurz, aber dann wurde ich dankbar. Der Schlauch ist erst geplatzt, als ich mit dem Lkw nicht mehr indem chaotischen Zollhof rumrangieren musste! Was w\u00e4re gewesen, wenn der Schlauch vor dem R\u00f6ntgen oder so geplatzt w\u00e4re? Perfektes Timing!<\/p>\n<p>An diesem Tag hatte es genau 25 Grad, also durfte ich weiter gen Minsk fahren. (\u00dcber 25 Grad herrscht Fahrverbot f\u00fcr Lkw). Mit einem sch\u00f6nen Badestopp an einem See kam ich abends in Minsk an. Ich traf mich mit Swetlana und Oleg, sie fuhren mit voraus zum Zollamt. Zu einem anderen als sonst. Ich sagte ihnen zwar, dass sie drauf achten sollen, wo Lkw Verbot ist. Aber es ging mitten durch die Stadt, durchs Regierungsviertel und all die Prachtstra\u00dfen entlang.<\/p>\n<p>[singlepic id=343 w=600 h=370 float=]<em> &#8230;in Minsk.<\/em><\/p>\n<p>Am Zoll angekommen, traute ich meinen Augen nicht: Ein runtergekommener Hinterhof mitten in der Stadt, ich war der einzige Lkw dort. Toilette, reden wir von was anderem\u2026 Ich bin dann noch etwas in die Stadt spaziert auf der Suche nach ner Pizzeria oder so, aber es gab leider nur Kneipen. Daf\u00fcr gabs dann zur\u00fcck im Lkw Cornflakes mit frischen Heidelbeeren auf Joghurt. \u00dcbrigens, die Heidelbeeren habe ich auf dem Pannenstreifen der Autobahn gekauft, da stehen immer wieder meist \u00e4ltere Frauen und verkaufen, was der Wald und Garten hergibt. Ihr solltet mal die strahlenden Augen sehen, wenn ich ihnen nach dem Bezahlen noch eine Tafel Schokolade schenke\u2026<\/p>\n<p>[singlepic id=344 w=600 h=370 float=]<em> &#8230;am Zollamt.<\/em><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen, gings los mit dem Zoll. Gleich beim zweiten B\u00fcro wurde ich zur\u00fcck in den Lkw geschickt, ich solle warten. Ich fragte, wie lange, 2,3,4 oder 5 Stunden? Nein, eine halbe! Ich nutze noch das etwas sauberere WC der Z\u00f6llner und ging zum Fruchtst\u00fccken in den Lkw. Noch bevor ich fertig war kam die Z\u00f6llnerin, Plomben ab machen, alles fertig! Unglaublich!<\/p>\n<p>Dann wieder quer durch die Stadt zum Invalidenverein. Diesmal fuhr Aleksandr voraus, ein Lkw-Fahrer. Tip top, nur korrekte Stra\u00dfen. J Das B\u00fcro und Lager des Invalidenvereins ist in einem Wohnblock. Die Polizei musste erst einige parkenden Autos wegschicken, eh ich hinfahren konnte. Gemeinsam mit den M\u00e4nnern vom Rehazentrum luden wir den Lkw ab. Olga vom Invalidenverein erz\u00e4hlte mir, dass sie \u00fcber 2000 Invaliden direkt helfen. Menschen, die sonst nur auf sich alleine angewiesen w\u00e4ren uns sonst keine Hilfe bek\u00e4men. Kiste f\u00fcr Kiste f\u00fcllten sich die R\u00e4ume, bis am Ende fast nichts mehr reinpasste und in jeder Ecke Stapel mit Hilfsg\u00fctern standen. Olga und ihre Mitarbeiter waren von Herzen f\u00fcr die Hilfsg\u00fcter dankbar, die sie nun weitergeben d\u00fcrfen. Sie lassen jeden Spender und Unterst\u00fctzer von DHHN herzlich Gr\u00fc\u00dfen!<\/p>\n<p>[singlepic id=348 w=600 h=370 float=]<em> &#8230;beim Abladen.<\/em><\/p>\n<p>[singlepic id=350 w=600 h=370 float=]<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Am gleichen Nachmittag machte ich mich wieder auf die Heimreise. \u00dcber Litauen, da man dort mit vollem Tank einreisen darf. Das lohnt sich, kostet hier der Diesel doch unter 75 Eurocent pro Liter. An der Grenze dann ein Kilometerlanger R\u00fcckstau. Ich nat\u00fcrlich vorbei, bis ganz nach vorn. Doch dort stehen diesmal zwei Z\u00f6llnerinnen. Das ist oft schwieriger. So auch heute: Ich muss zur\u00fcck! Alles diskutieren half nix, zur\u00fcck! Na gut, umgedreht, zur\u00fcckgefahren. Aber nur 200m. Dann konnte ich wieder umdrehen und in eine L\u00fccke in der Schlange. Nach 15 Minuten war ich wieder bei den Damen, ihr h\u00e4ttet deren Gesichter sehen sollen.<\/p>\n<p>[singlepic id=353 w=600 h=370 float=]<em> &#8230;an der Grenze.<\/em><\/p>\n<p>Die Grenze ging ganz gut, nach drei Stunden war ich durch und freute mich, wieder in der EU zu sein. Auf einem teuren und schlechten Parkplatz mit dreckigem WC verbrachte ich die Nacht. Am n\u00e4chsten Tag dann quer durch Litauen, eine sch\u00f6ne Pause an einem See, und weiter nach Polen bis kurz vor Warschau.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich durfte ich noch Lebensmittel abholen, so ging die Tour von Polen nach Tschechien, welches ich am Sonntag erreichte. Nach meinen Informationen war dort aber von 13-22 Uhr auf den gro\u00dfen Stra\u00dfen Fahrverbot. Also ab 13:00 nur noch auf kleinen Stra\u00dfen unterwegs, landschaftlich herrlich aber sehr anstrengend. Abends kam ich dann, ca. zwei Stunden vor der \u00f6sterreichischen Grenze, auf die gro\u00dfe Stra\u00dfe. Plan war, hier an der n\u00e4chsten Tankstelle mit Parkplatz zu \u00fcbernachten. Gab es aber nicht. So fuhr ich noch weiter in die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Stadt und kam gerade an einer Polizeikontrolle vorbei. Die waren zum Gl\u00fcck mit einem anderen Lkw besch\u00e4ftigt. J<\/p>\n<p>Hier gab es einen gro\u00dfen, unbewachten Lkw-Parkplatz, wo ich die Zeit bis 22:00 Uhr verbrachte. Zum \u00dcbernachten wars mir nicht geheuer. Um kurz vor 22Uhr gings dann weiter, ich wollte noch \u00fcber die \u00f6sterreichische Grenze. Pl\u00f6tzlich Blaulicht hinter mir, welches mich dann \u00fcberholt. Vor mir macht er es aus, und f\u00e4hrt dann rechts ran. Unsicher fahr ich weiter, da er nicht mal mit der Hand gewunken hat oder so. Im Spiegel sehe ich, wie die Scheinwerfer des Polizeiautos mir folgen. Dann geht wieder das Blaulicht an, ich werde wieder \u00fcberholt und zum Anhalten aufgefordert. Kontrolle! Ladung: nicht vorhanden. Tachoscheibe: Ich erkl\u00e4re, dass ich als Hilfstransport ja von der Lenkzeitregelung ausgenommen bin und deshalb ihm keine Scheibe zeigen m\u00f6chte (sonst g\u00e4b es wohl \u00c4rger wegen Sonntagsfahrverbot). Alles in einem recht freundlichen Klima. Er akzeptiert das, ich muss ihm noch nachweisen, dass wir den Lkw nur f\u00fcr Hilfstransporte nutzen\u2026 (Wahrscheinlich war das der gleiche Polizist, der mich bei der vorherigen Kontrolle nicht anhalten konnte)<\/p>\n<p>Ich kam dann bei starkem Regen noch bis \u00d6sterreich und \u00fcbernachtete dort auf einem Parkplatz am Stra\u00dfenrand. Am n\u00e4chsten Tag habe ich dann die Lebensmittel abgeholt und die Fahrzeit hat sogar noch bis nach Hause gereicht. M\u00fcde und dankbar kam ich wieder daheim an.<\/p>\n<p>[aio_button align=&#8221;none&#8221; animation=&#8221;none&#8221; color=&#8221;gray&#8221; size=&#8221;small&#8221; icon=&#8221;none&#8221; text=&#8221;weitere Bilder&#8221; url=&#8221;https:\/\/www.dhhn.de\/blog\/bilder-videos\/bilder-vom-hilfstransport-nach-minsk\/&#8221;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kr\u00e4ftiger Schlag an meine Hand, das Lenkrad wars. Ich steige aus, der Lkw steht in einer \u00d6llache. Nachts um drei. Mitten im Zollhof. Was tun? Klar, erst mal die Papiere beim Zoll fertig machen. \u2013 Ich hatte eine gute Reise in den Osten, erste \u00dcbernachtung bei lieben Freunden bei Dresden, dann frisch gest\u00e4rkt weiter. 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