Donnerstagmorgens mache ich mich ausgeschlafen und frohen Mutes auf die Reise nach Moldawien. Der LKW ist voll beladen mit Lebensmitteln, Kleidern und vielen anderen Hilfsgütern. Erster Stopp ist beim Zollamt in Nagold, wo der LKW verplombt und das TIR Carnet eröffnet wird.

Bei einsetzendem Regen mache ich mich auf die Reise in den Osten. Ich komme gut voran und wie meistens ist die erste Übernachtung am Rasthof St. Pölten. Bei Regen geht es am nächsten Morgen weiter, ohne Probleme reise ich nach Ungarn ein und erreiche abends die Grenze nach Rumänien, wo auch fast nichts los ist und ich schnell einreisen darf. An einer Tankstelle nach der Grenze übernachte ich. Mittags treffe ich mich in Tirgu Mures mit einem Freund, abends treffe ich zum Abendessen weitere Freunde bei Brasov. Mit vollem Bauch und frisch geduscht geht es noch ein Stück in die Nacht hinein, vor den Karpaten übernachte ich nochmals.

Am nächsten Tag überquere ich die schönen Karpaten und erreiche am späten Nachmittag ohne Probleme die Grenze nach Moldawien. Hier ist viel los, aber ich erwische eine gute Schlange und das Ausreisen aus Rumänien klappt gut. Nach dem Schichtwechsel gehts in Moldawien weiter. Ein wenig mit dem Veterinärdoktor diskutieren, E-Mails mit Dokumenten hin und her schicken und dann bekomme ich den lang ersehnten wichtigen Stempel. Beim Zoll selber werde ich vom Zollchef abgefertigt, das geht richtig schnell und so darf ich ohne durch den Scanner zu müssen nach Moldawien einreisen.

Durch die Nacht geht’s nach Chisinau wo ich auf dem Zollhof noch einen freien Platz erwische. Am nächsten Tag macht Andre die Papiere, es klappt ganz gut. Am Nachmittag dürfen wir den Zollhof auch verlassen und trotz vorhergesagten Gewitter können wir trocken entladen. Die Truppe ist fröhlich dabei und mit viel Spaß wandern die Hilfsgüter ins Lager. Sie werden in den nächsten Tagen und Wochen an Kinderheime, Suppenküchen, Altenheime und andere soziale Einrichtungen verteilt.

Beim gemeinsamen Abendessen berichtet mir unser Partner, dass er jetzt einen Termin beim Präsident hat. Denn seit dem Frühjahr müssen die Lebensmittel, die wir bringen, mindestens 6 Monate haltbar sein. Früher waren es nur drei Monate. Er hat sich sehr gut vorbereitet und bringt viele gute Vorschläge mit, wie das Gesetz, dass die Lebensmittel 6 Monate haltbar sein müssen, geändert werden kann. Wir hoffen und beten, dass das klappt.

Am nächsten Morgen mache ich mich ausgeschlafen wieder auf die Heimreise. Bei schönstem Wetter erreiche ich die moldawische Grenze, auf moldawischer das Seite ist fast nicht los, doch auf rumänischer Seite muss ich ein paar Stunden warten bis ich dran komme. Nach genauer Kontrolle darf ich in die EU einreisen und fahre noch bis in die Karpaten, um dort bei kühlen Temperaturen zu übernachten. Kurz vorm Ziel sitzt rechts am Straßenrand ein großer Braunbär. Vor mir ein rumänischer PKW, die Insassen werfen Chips aus dem Fenster um den Bären anzulocken. Der lässt sich das gut gefallen doch meine Kirschen schmecken ihm besser. Absolut imposant so ein Bär in freier Wildbahn, ich trau mich nicht, die Tür aufzumachen. Zwei Kilometer später ist der Parkplatz, auf dem ich übernachte. Ich habe Respekt und bleibe im Führerhaus. Doch ich habe eine ruhige Nacht und nach ausgiebiger Kontrolle frühstücke ich in der Sonne auf einer Bank am Parkplatz. Der Bär lässt sich nicht mehr blicken. Bei der Abfahrtskontrolle höre ich ein leises Zischen aus dem Vorderrad: eine dicke Schraube steckt drin. Ich pumpe den Reifen wieder auf und komme gut bis zu einem Reifenservice jenseits der Karpaten. Hier wird der Reifen abmontiert und geflickt. Gegen Mittag geht es weiter, auf landschaftlich schönen Straßen immer nach Westen. Bei einer Pause am Nachmittag höre ich am besagten Reifen erneut ein zischen. Der Flicken ist nicht dicht. Um 17 Uhr finde ich endlich einen weiteren Reifenservice, der zum Glück noch geöffnet hat. Wir begutachten den Schaden und stellen fest, dass sich der Flicken durch das Walken des Reifens gelöst hat. Da ein erneuter Flickversuch nicht viel Wert hat kaufe ich einen gebrauchten Reifen der dann auch hält. In der Nähe von Tirgu Mures übernachte ich wieder, am nächsten Tag geht’s problemlos nach Ungarn, wo ich nach Budapest an unserem Waldparkplatz übernachte. Am nächsten Tag komme ich bis Augsburg, und am Samstag Mittag komme ich wieder wohlbehalten zu Hause an. Ich bin dankbar, dass ich den Menschen in Not Hilfe bringen durfte und das alles ohne größere Probleme geklappt hat. Vielen Dank an jeden, der mit deiner Spende unsere Hilfstransporte unterstützt.

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