Der Winter steht vor der Tür, auch wenn es bei uns noch recht warm ist. Für viele Menschen in der Ukraine ein echtes Problem: Das Gas für die Heizung ist sehr teuer, eigentlich unbezahlbar geworden. Konkreter: Das monatliche Einkommen vieler Familien reicht nicht mal aus, um lediglich die Gasrechnung zu bezahlen. Viele Häuser, vor allem in ländlichen Gebieten, sind gar nicht oder nur sehr schlecht isoliert. Dazu kommen die vielen Flüchtlinge aus dem Osten der Ukraine, die irgendwie untergebracht worden sind.

Wir bringen Hilfe: Warme Kleidung, Decken und Matratzen, Lebensmittel, Schuhe und vieles mehr. Doch der Weg bis ans Ziel, unser Dorfkrankenhaus in Ilawtse, ist weit.

Über Stuttgart, Nürnberg und Dresden komme ich bei Görlitz an die polnische Grenze. Dank EU kann ich hier einfach durchfahren. In Polen selbst hat es ebenfalls dank EU viele neue Autobahnen, doch die kosten ganz schön viel Maut. Die alten, gut ausgebauten Landstraßen sind ziemlich leer, und so komme ich auch auf diesen gut voran und kann Geld sparen. Allerdings sind die gar nicht mehr ausgeschildert, man muss sich auskennen, sonst landet man immer wieder auf der Autobahn. Abends dann eine Polizeikontrolle: Ich werde herausgewunken und muss neben der Bundesstraße auf einem Platz umkehren. Als ich wieder zurück zum Polizisten komme, winkt er schon, dass ich weiter fahren soll. Die Beschriftung vom Lkw ist viel wert, er hat erkannt, dass ich Hilfsgüter transportiere.

Immer gen Osten

Immer gen Osten

So geht’s quer durch Polen und am dritten Tag erreiche ich abends die Grenze zur Ukraine in Hrebenne. Pünktlich zum Schichtwechsel. Vor der Grenze zwei Kilometer Rückstau. Kurz entschlossen fahre ich dran vorbei. Nach der Hälfte kommt mir ein Polizeiauto mit Blaulicht entgegen und bleibt vor mir stehen. Da die Polizisten nicht aussteigen, bleibe ich auch sitzen. Nach ein paar Minuten fahren sie zur Seite und ich fahre einfach weiter. Um 19:00 Uhr bin ich dann endlich beim Schalter vom polnischen Zoll. Kein anderer Fahrer wartet hier vor mir, und so gehe ich direkt zum Zöllner. Doch nix wars! Er sagt mir, ich solle ich 30 Minuten wiederkommen, Schichtwechsel. Nach einer Stunde geht’s dann endlich weiter…

und ich erreiche die polnisch-ukrainische Grenze bei Hrebenne mit 2 Kilometern Rückstau

und ich erreiche die polnisch-ukrainische Grenze bei Hrebenne mit 2 Kilometern Rückstau

Die ukrainische Seite ist auch wieder eine Geduldsprobe. Aber zum Glück habe ich nicht mehr wie früher die Angst, dass irgendetwas nicht stimmt und ich zurück muss. Alles geht seinen langsamen Gang, ohne Stress und Hektik, aber auch ohne Geschrei und Diskussionen. Nach Mitternacht ist dann alles fertig und ich kann in die Ukraine einreisen. Direkt nach der Grenze ist eine Tankstelle mit gutem WC, dort übernachte ich auf dem Parkplatz.

Am nächsten Tag lasse ich mich durchschaukeln: Auf extrem schlechter Straße geht’s durch die Ukraine nach Ternopil. Der Tempomat ist auf 30 gesetzt, oft muss ich jedoch mit Schrittgeschwindigkeit durch die Schlaglöcher. Klar, man könnte auch schneller. Doch das würde unweigerlich teure Reparaturen nach sich ziehen. Und wir wollen mit dem Geld, dass Sie uns spenden, gut haushalten. So komme ich gegen Abend mit heilem Lkw in Ternopil an. In einem Restaurant gibt’s noch eine erstaunlich gute Pizza bevor ich dann auf den Zollhof fahre und dort im Lkw übernachte.

Am nächsten Morgen kommen dann die Mitarbeiter vom Krankenhaus und sind den ganzen Vormittag bis 14 Uhr beschäftigt, die Papiere zu machen. Danach geht’s auf noch schlechteren Straßen zum Krankenhaus, wo wir unter der strengen Aufsicht des Zollbeamten abladen. Alles wird genau kontrolliert, doch alles ist in Ordnung. Spät abends macht der Zoll dann eine Plombe ans Lager. Nun müssen in den nächsten Wochen noch viele Genehmigungen und Papiere und Stempel gemacht werden, bis die Hilfsgüter verteilt werden können.

Die Hilfsgüter werden an Flüchtlinge, Waisenhäuser, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen weitergegeben.

Die Hilfsgüter werden an Flüchtlinge, Waisenhäuser, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen weitergegeben.

Die Hilfsgüter werden dann an die Flüchtlinge aus der Ostukraine, die auch in der Region Ternopil untergekommen sind, verteilt. Ein anderer Teil wird an weitere Krankenhäuser, Kinderheime und andere soziale Einrichtungen weitergegeben.

Denn die Not in der Ukraine ist sehr groß, sie wird ständig größer: Gab es Anfang 2014 noch 10 ukrainische Griven (Währung) für einen Euro, sind es heute 25! Das bedeutet, das Geld ist weniger als die Hälfte wert. Gleichzeitig werden viele Sachen auch in Euro teurer, die Preise für Gas für die Heizung und Lebensmittel steigen stark. Tausende Menschen aus dem Osten der Ukraine sind in den sicheren Westen geflohen und leben jetzt in Turnhallen, alten Häusern oder leerstehenden Hotels. Für sie gibt es keine Sozialleistungen vom Staat. Sie müssen buchstäblich schauen, wo sie bleiben. Und auch hier lindern unsere Hilfsgüter manche Not.

Am nächsten Tag gings dann wieder auf die Heimreise. Am Abend kam ich im Jugendhaus in Ushgorod an, wo ich auch übernachtete. Slawik berichtet mir, dass er gerade so viele Anfragen von Straßenjungs hat, die ins Jugendhaus wollen. Denn der Winter steht vor der Tür. Leider können wir nicht alle aufnehmen. Ansonsten läuft es im Jugendhaus gut. Gerade an dem Abend, als ich kam, sind vier Jungs aus dem Jugendhaus in das dritte WG-Häuschen umgezogen. Sie verdienen jetzt selber Geld und müssen davon ihren Unterhalt selber bezahlen. Sie waren natürlich nicht sehr begeistert. Aber dieser Schritt gehört zum erwachsen werden einfach dazu.

Die Alpen

Die Alpen

Die Grenze nach Ungarn war, obwohl der Lkw ja leer war, recht zäh. Erst am Mittag war ich wieder in der EU. Doch dann ging es ohne Probleme, von ein paar Staus in Deutschland abgesehen, wieder nach Hause. Ich bin dankbar für alle Bewahrung auf dieser Fahrt, dass der Lkw so gut läuft und für jeden Spender, ja für Sie – denn nur Dank Ihrer Spenden kann ich den Menschen in Not Hilfe bringen! Vielen Dank, dass Sie uns helfen, Hilfe zu bringen.

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