Diesmal ist der Lkw wieder voll beladen mit Lebensmitteln, über 60 Paletten! Das gibt eine Freude!

Samstag am Spätnachmittag mache ich mich auf die Reise. Ich komme gut vorwärts, doch dann bremst mich bei Augsburg eine Vollsperrung aus. So übernachtete ich eben am nächsten Autobahn Parkplatz und fahre erst am nächsten Morgen weiter. Quer durch Österreich und Ungarn komme ich nach Rumänien. Die ganze Zeit fahre ich an der Wettergrenze, mal hat es 30°, dann holt mich das Gewitter wieder ein und es schüttet kräftig und hat danach nur noch 19°. Spannend!

Dank EU ist die Grenze nach Rumänien ja kein Problem und so mache ich mich auf die lange Reise quer durch Rumänien. Auf guten und auch schlechten Straßen geht es immer weiter gen Osten. In Brasov treffe ich noch einen lieben Freund, wir gehen zusammen Abendessen und können uns gut austauschen. Am nächsten Abend erreiche ich dann endlich die Grenze nach Moldawien. Hier ist viel los! Auf rumänischer Seite gibt es fünf Spuren mit jeweils einer Ampel vorne, an denen man sich anstellen kann. Ich nehme einfach mal ganz frech die, wo nur drei Fahrzeuge vor mir stehen. Auf den anderen Spuren stehen jeweils 20-30 LKWs. Und so komme ich auch mal dran, bekomme von der rumänischen Zöllnerin noch eine neue Plombe an den Container und darf dann die EU verlassen.

Willkommen in Moldawien! Doch zuerst die Grenzhürden. Es ist einiges los, aber das geht schon. Ich sehe vor mir ein Lkw von Licht im Osten aus der Schweiz, der auch Hilfsgüter nach Moldawien bringt. Schnell machen wir uns bekannt und sind dann gespannt was uns am Zoll erwartet. Da die Schweizer vor mir da waren haben sie natürlich den Vortritt. Seit neuestem macht bei Hilfstransporte der Chef des Zolls alle Papiere selber. Und was jammert der rum! Jedem erzählt er, dass er der ärmste Tropf ist, weil ausgerechnet in seiner Schicht zwei Hilfstransporte auf einmal kommen müssen. So viel Arbeit! Und er nimmt seinen Dienst doch sehr genau, nach dem Röntgen müssen die Schweizer in eine Halle und den Lkw komplett aufmachen für die Kontrolle. Ich ahne schon, dass mir ähnliches bevorsteht. Während die Schweizer kontrolliert werden, mache ich mit dem Zollchef aus, dass ich erst mal zum Veterinärdoktor gehe, um dort meine Stempel zu holen. Dort angekommen ist die erste Frage, ob der Lkw den verplombt wäre oder ob er reinschauen könnte zum Kontrollieren. Ich erkläre, dass er verplombt sei und es keine Möglichkeit gibt. So lasse ich meine Papiere bei ihm und er macht sich in aller Ruhe daran, alles abzuarbeiten. Nach 2 Stunden hole ich die Papiere beim wieder ab, die Schweizer sind inzwischen durch, und gehe zum Zollchef. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Bei so vielen Lebensmitteln, die ich aufgeladen habe, ist eine Kontrolle immer sehr riskant. Denn wenn ein Zöllner was finden will dann findet er was. Ich geh also wieder zum Zollchef, gebe meine Papiere ab. Er jammert ein bisschen, dass es so viel Arbeit ist. Dann meint er dass er mich heute nicht kontrolliert und haut mir den Stempel aufs Papier. Mein Herz macht einen Luftsprung. Im gleichen Moment kommt der Veterinärarzt und fragt den Zöllner, ob er noch meine Ladung kontrollieren darf. Doch der Zöllner sagt nur sinngemäß: zu spät! Und so kann ich ohne jegliche Kontrolle nach Moldawien einreisen. Es ist schon spät am Abend so komme ich erst nach Mitternacht in Kischinau am Zollamt an. Dort finde ich noch einen ganz passablen Parkplatz und übernachte dann im Lkw.

Am nächsten Morgen kommt Andre, er ist bis zum frühen Nachmittag damit beschäftigt, die Ladung durch den Zoll zu kriegen. Aber es klappt! Das ist nicht selbstverständlich. So können wir zum Lager fahren und gleich geht‘s ans abladen. Palette für Palette füllt sich das Lager. Andre erzählt mir, dass schon in zehn Tagen das Lager wieder leer ist und alle Hilfsgüter an die Bedürftigen Menschen verteilt sein werden. Die Not ist groß. So viele Menschen verlassen das Land um im Ausland zu Arbeiten. André berichtet, dass sie in seinem Jahrgang ungefähr 100 in der Schule waren. Jetzt sind noch drei in Moldawien, der Rest ist im Ausland. Was hat Moldawien für eine Perspektive? Menschlich gesehen gar keine. Unsere Hilfe ist so wichtig! Ein Rentner kann sich von seiner Rente nicht mal eine Wohnung mieten. Und so bin ich froh und dankbar dass wir immer wieder dank ihrer Unterstützung diesen Menschen direkt Hilfe bringen könnten.

Am nächsten Morgen um 3:30 Uhr mache ich mich wieder auf die Heimreise. Ich komme noch vor dem Schichtwechsel an die Grenze, es ist fast nichts los! In Rekordzeit reise ich nach Rumänien ein, ganze 25 Minuten habe ich dafür gebraucht! Klasse!

Diesmal nehme ich die Südroute durch Rumänien und komme nach zwei Tagen an einem Sonntag bei Arad an die Autobahngrenze Nagylak nach Ungarn. Hier sieht es ganz gut aus, an der Waage hat es keine Schlange und so fahr ich in die Grenze hinein. Es hat drei Spuren, ich nehme die ganz linke, weil hier die Schlange kürzer aussieht. Ich stelle mich ordnungsgemäß an und wundere mich dann, dass es nicht weitergeht. Beim Vorgehen frage ich den Fahrer vor mir, ob er nicht weiterfahren möchte. Nein er machte Pause. Und so erfahre ich, dass die größte Grenze zwischen Rumänien und Ungarn an diesem Sonntag einfach geschlossen ist. Ich frage vorne die Polizisten was ich denn machen soll. Denn ich als Hilfstransport darf ja fahren. Ich soll vorkommen, dann würden sie mir schon aufmachen. Doch es gab keine Möglichkeit vorzufahren, alles ist mit Lkw zugeparkt. So rangierte ich weit rückwärts bis zur Waage und frage dort, wie ich weder umdrehen könne. Die Beamtin gibt einen Schlüssel für eine Schranke, und so komme ich auf dem PKW Parkplatz, allerdings stehe ich in falscher Richtung als Geisterfahrer dort. Aber ich entdecke eine Unterführung und komme so auf die andere Seite der Autobahn und kann zurückfahren. Direkt neben der Autobahn gibt es noch die alte Grenze Nagylak. Hier habe ich mehr Erfolg und kann nach Ungarn einreisen. So komme ich dann nach weiteren zwei Tagen wieder wohlbehalten und dankbar zu Hause an.

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Hier finden Sie weitere Fotos und ein Video vom Einsatz: