Die Herausforderung!

Nach einem gemütlichen Frühstück trennten sich unsere Wege: Meine Frau und unser Sohn gingen in den Gottesdienst, und ich fuhr mit einem 40-Tonner voller Hilfsgüter los in Richtung Albanien. Das Wetter war trüb, aber ich kam gut voran. Über München und Salzburg kam ich bis zu meinem Lieblingsrasthof, der Tauernalm. Hier lag etwas Schnee, und hier übernachtete ich auch.

Am nächsten Tag auf der Alpensüdseite ähnliches trübes Wetter, über Triest und dann kurz durch Slowenien kam in ich bei Rijeka ans Meer, wo es zwar wärmer war, aber ganz schön windig. Ich hatte trotzdem eine recht gute Nacht südlich von Rijeka. Doch als ich mich am nächsten Morgen am Lkw waschen wollte, hat mich der Wind fast weggeblasen. Und so beschloss ich, statt die kostenlose Küstenstraße zu fahren, doch lieber die teure Autobahn zu nutzen. Denn ich dachte, dass diese durch die Berge etwas windgeschützter sei. Falsch gedacht! Dieser Tag war echt sehr anstrengend zu fahren: Die ganze Zeit Gegenwind mit 50 Stundenkilometern, in Böen bis zu 150kmh und dazu starker Regen! Da wurde der Lkw mal nach links, mal nach rechts geblasen, lange Strecken auf der Autobahn waren auf 40kmh begrenzt. Und man wollte gar nicht schneller fahren. Zum Glück war der Lkw voll, mit einem leeren Lkw hätte ich mich nicht getraut zu fahren. Bei meiner Mittagspause stand der Lkw auf den eingezeichneten Parkplätzen im 45 Grad Winkel zum Wind. Er hat so geschaukelt, dass ich Angst bekam und ihn einfach längs über alle Parkplätze stellte, dass der Wind genau von vorne kam. Die Fahrt war echt anstrengend und herausfordernd.

Am Abend kam ich dann von den Bergen wieder runter ans Meer, und ich war total dankbar, dass ich in einer Bucht einen relativ ruhigen Schlafplatz fand. Der Wind kam durch die Sogwirkung des Tals sogar von hinten, vom Anhänger her, so dass das Fahrerhaus beim Schlafen gar nicht wackelte. Ich ging noch kurz runter ans Meer, die Wellen waren extrem hoch. Der ganze Kiestrand, bis über den Zufahrtsweg, war voller Wasser!

Am nächsten Morgen, es regnete immer noch, gings weiter. Der Wind tobte, doch langsam arbeitete ich mich Richtung Süden voran. Immer wieder sah ich den hohen Wasserstand des Meeres, auch ohne die gewaltigen Wellen waren alle Stege und Bootsanleger unter Wasser. Die Grenze nach Montenegro klappte gut. Doch in Montenegro war die Straße stellenweise so tief direkt neben dem Meer, dass die Wellen drüber spritzten und zum Teil sogar die Straße überflutet war. Lange Staus waren die Folge. Trotzdem kam ich noch bis nach Albanien. An der Grenze war wenig los, und so kam ich schnell drüber auf den albanischen Zollhof. Es regnete nach wie vor in Strömen. Papiere hier, Papiere da. Endlich war alles bereit für den Zoll, ich trotz Regenjacke klatschnass. Der Zoll stempelte schnell alle Papiere ab, doch dann mussten noch neue Plomben an den Lkw. Im Strömenden Regen. Also ließ sich der Zöllner vom Wächter einen Regenschirm geben und lief zum Lkw. Ich lief kurz vor ihm, um zu zeigen wo die Plombe hin muss. Und jetzt kommt das erstaunliche! Er rief mich zu sich unter den Schirm! Das ich nicht so nass werde. So was erlebt man glaube ich bei keinem anderen Zöllner im Osten Europas. Die Albaner sind einfach sehr freundliche Leute.

Ich fuhr dann noch ein wenig nach Albanien rein, sehr vorsichtig in der Dunkelheit, und fand einen beleuchteten Parkplatz, wo ich übernachtete. Am nächsten Tag gings dann noch ein Stück weiter nach Süden bis Durres. Hier änderte ich dann die Richtung und fuhr nach Osten die Berge hoch bis zum Pass Qafe Thane. Dort befinden sich die Grenze nach Mazedonien und gleichzeitig der Zollhof von Pogradec. Ich wurde von unseren Partnern schon erwartet. Während sie die Papiere machten (das braucht normal immer Stundenlang), ging ich zum Hotel Rrushi, um günstig Mittag zu essen. Während ich noch an meinen Spaghetti saß kam unser Partner schon: Die Papiere sind fertig, jetzt nur noch den Lkw röntgen! So machten wir es, als mein Bauch voll war und so waren wir in Rekordzeit mit dem Zoll fertig und konnten unten in Pogradec im Lager von Diakonia, es hatte inzwischen sogar mit Regnen aufgehört, den Lkw und Anhänger abladen. Wie immer hatten sie wieder den Staplerfahrer mit seinem Stapler gemietet, und so ging das Abladen zügig voran. Die Freude über die vielen wertvollen Hilfsgüter war wieder groß.

Wir verbrachten noch einen schönen Abend zusammen, am nächsten Morgen erkundete ich noch ein wenig die Stadt, besuchte den Frisör und nach 24h Pause machte ich mich wieder auf die Heimreise.

Eine Übernachtung in Albanien, am nächsten Mittag dann ruck zuck die Grenze nach Montenegro, einmal quer durch Montenegro. Es ging schneller, denn der Wind hatte etwas nachgelassen, und so waren trotz starkem Regen die Straßen wieder frei. Abends noch die Grenze nach Kroatien, die ebenfalls schnell passiert war, und so übernachtete ich dann in Kroatien auf dem gleichen Platz nördlich von Dubrovnik wie auf der Hinreise. Der Wind war nicht mehr ganz so stark, und da ich ja nun andersherum stand, wurde ich in den Schlaf geschaukelt.

Auf der Autobahn hatte ich dann Rückenwind, und statt 60 Liter pro 100km auf der Hinfahrt brauchte ich nur 20 Liter pro 100km dank des Windes. Ist schon ein gewaltiger Effekt. Aber vom Flugzeug her nennt man es Airspeed, und die war auf dem Hinweg eben bei 130, auf dem Rückweg bei 40-50kmh.

Um maut zu sparen konnte ich dann auch die Küstenstraße, die Jadranska Magistrale nehmen und hatte vor Rijeka nochmals eine gute Nacht. Am nächsten Tag standen vier Länder auf dem Plan, doch schon an der ersten Grenze nach Slowenien scheiterte ich. Hier wäre jetzt Lkw Verbot für Transit. Ich müsse umdrehen. (Ich stand davor in einer Schlange von ca. 15 Lkw, alle anderen durften fahren, sie sagten wahrscheinlich einfach das richtige Ziel). Ich wurde zum benachbarten Grenzübergang Rupa geschickt. Hier war, obwohl es an der Autobahn war, nichts los. Ich wurde eingehend kontrolliert, doch alles war gut. Allerdings war direkt nach der Grenze ein Schild: Straße für Lkw verboten. Da stand ich nun und fühlte mich leicht veräppelt. Aber was hilft’s, fahre ich halt die verbotene Straße und hoffe das Beste. Es ging alles gut und die nächste Grenze nach Italien war kein Problem. Die nach Österreich dann auch nicht und so konnte ich die letzte Nacht der Tour wieder auf meinem Lieblingsrasthof verbringen.

Am nächsten Abend kam ich dann nach dem üblichen Staus bei München und Stuttgart abends wieder wohlbehalten zu Hause an.

Vielen Dank an jeden, der auch diesen Hilfstransport durch seine Spenden wieder ermöglicht hat!

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