Hilfstransport in die Ukraine März 2014
Die Situation in der Ukraine war und ist immer noch sehr spannend. Wir hatten für Anfang Februar einen Hilfstransport zu unserem Dorfkrankenhaus in die Ukraine geplant. Doch kamen dann die Demonstrationen mit all den schlimmen Ausschreitungen und leider vielen Toten in Kiev dazwischen. Dann waren tageweise die verschiedenen Grenzen blockiert. So verschoben wir den Transport immer wieder. Endlich gab es einen Lichtschimmer, Janukowitsch war geflüchtet, die neue Regierung fing an zu arbeiten, die Polizei wechselte auf die Seite des Volkes.
Das war unsere Chance! Am Freitag, den 28. Februar 2014, startete der Hilfstransport in die Ukraine. Der Lkw war voll beladen mit Rollstühlen, Gehilfen, Matratzen, Krankenhausbetten, Reinigungsmitteln, Kleidung, Decken und Schuhen. Nach dem verzollen in Horb gings es auf die lange Reise in den Osten. Über Hof und Dresden erreichten wir Polen, wo wir in der Nähe von Piotrkov Trybunalski übernachteten. Morgens mussten wir am Anhänger eine Luftleitung reparieren, sie hatte sich durchgescheuert. Aber das ist inzwischen Routine.

kleine Reparatur am Anhänger
Am Abend erreichten wir die Grenze zur Ukraine. Die polnischen Zöllner fragten uns, ob wir zum Maidan wollen. Aber die Abfertigung verlief zügig. Auch an der ukrainischen Seite war nur wenig los. Die Beamten waren sehr freundlich und so konnten wir in Rekordzeit die Grenze überqueren und an der nächsten Tankstelle übernachten.
Am nächsten Morgen sahen wir, dass die Straßensperre komplett weggeräumt war und konnten uns auf die langsame Fahrt auf schlechten Straßen zu unserem Dorfkrankenhaus machen. Unterwegs erfuhren wir von Putins Aktivitäten auf der Krim. Ganz wohl war uns nicht, doch zum Glück ist die Krim weit weg. Eine kurze Pause an einem Friedhof für gefallene Soldaten lies mich sehr nachdenkloch werden. Schon einmal mussten im Kampf in der Ukraine tausende Menschen sterben. Lasst uns beten, dass es für die jetzigen Entwicklungen eine gute Lösung gibt.

abgebaute Barrikade an der Grenze
Gegen Abend erreichten wir Ternopil. Auf der Zufahrt zur Umgehungsstraße war eine Straßensperre aufgebaut. Reifen, Paletten, einige Männer. Zögernd fuhr ich hin. Umdrehen bringt ja auch nichts. Ich kurbelte das Fenster runter und war gespannt, was kommt. Doch der Mann fragte mich freundlich, wo ich den hinwolle und was ich dabei hätte. Er freute sich sichtlich, dass wir Hilfe für das Dorfkrankenhaus Ilawtse haben. So konnten wir problemlos passieren und schlugen unser Nachlager im Zollhof auf.
Am nächsten Morgen kamen dann Mitarbeiter vom Krankenhaus und machten die Papiere fertig. Schon am späten Vormittag konnten wir zum Krankenhaus fahren. Unterwegs wieder Straßensperren, diesmal wurden wir gar nicht angehalten. Die Straßen haben diesen Winter wieder sehr gelitten… sie werden Jahr für Jahr rapide schlechter.

Das war mal eine Autobahn…
Im Dorfkrankenhaus angekommen geht es unter der Aufsicht vom Zollbeamten ans abladen. Das Hilfsgüterlager füllt sich wieder, die Mitarbeiter sind froh über den Nachschub. Besonders die Inkontinenzprodukte begeistern sie. Denn diese machen die Arbeit doch wesentlich angenehmer. Zum Mittagessen sind wir beim Chefarzt eingeladen, es gibt guten ukrainischen Borscht.
Beim Krankenhaus besichtigen wir noch das neue Gebäude. Denn in unserem Krankenhaus sollen Studenten ihr Praktikum machen. Dieses Projekt wurde von der einem Minister der alten Regierung vornagetrieben. Für uns ist das sehr gut, denn die Studenten packen auch praktisch mit an und entlasten so unsere Mitarbeiter. Doch jetzt in dem ganzen Umbruch sind wir gespannt, ob und wie das weitergeht.
Während der Lkw abgeladen wird, treffen wir Iwan (Name geändert). Er wartete gerade auf eine Verwandte, die im Krankenhaus zur Behandlung war. Er war auf dem Maidan und berichtete uns mit vielen Bildern von seinen Erlebnissen. Dieser ganz normale Ukrainer war mehrmals für mehrere Tage nach Kiew gereist um an den Protesten auf dem Maidan-Platz teilzunehmen. Ohne vorher mit ihm gesprochen zu haben, zeigte er uns Fotos auf seinem Handy, welche er während den Protesten geschossen hatte. Man sah neben den ganzen Bildern, die jeder aus dem Fernsehen kannte, auch den Alltag auf dem Platz: wie Menschen in Zelten schliefen, sich an Feuern wärmten oder Plakate mit Aufschriften hielten. Sehr beeindruckend war, wie nahe sich die Bergkut-Schlägertrupps und die Demonstranten gegenüberstanden. Hierzu hat er mehrere Fotos geschossen und darauf hingewiesen in welchen Bussen sie kamen, wo sie standen und was sie machten. Uns hat es nachdenklich gemacht, dass selbst vom Land um Ternopol die Leute zu den Protesten in das entfernte Kiew reisten um an den Protesten teilzunehmen.

Er berichtete uns von seinen Erlebnissen auf dem Maidan.
Am frühen Abend ist der Lkw leer und wir beschließen, gleich noch zurück in die Stadt zu fahren und dort zu übernachten. SO sparen wir Zeit. Denn wegen der Situation auf der Krim wollen wir die Ukraine möglichst schnell verlassen. Nicht dass wir Angst um uns hätten. Im Gegenteil, wir fühlten uns sicher. Die Stimmung in der Ukraine war sehr positiv, die Menschen freundlich, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Obwohl keine Polizei arbeitet, halten sich sogar die „mafia-Leute“ mit ihren dicken Fahrzeugen plötzlich an Geschwindigkeitsbegrenzugen. Als die Polizei noch aktiv war, hat das nicht funktioniert. Man spürt in der Ukraine eine Aufbruchsstimmung.
Wir stellen den Lkw auf einem bewachten Parkplatz ab und fahren mit dem Taxi noch ins Stadtzentrum. Dort hat es auch ein paar Barrikaden und Zelte. Und ganz viele Blumen und Kerzen. Aus Ternopil sind drei Menschen in Kiev erschossen worden. Was hier im Westen kaum erwähnt wird: Es sind noch immer über 300 Menschen, die auf dem Maidan waren, vermisst.

Gedenkstelle für die Opfer der Revolution
Am nächsten Morgen geht’s dann wieder gen Westen. Wir fahren auf einer kleineren Straße um kommen so nicht an Lvov vorbei. Man weiß ja nie. Auf katastrophalen Straßen kommen wir problemlos nach einer schönen Karpatenüberquerung nach Ushgorod. Hier können wir an unserem Jugendhaus übernachten und uns duschen. Slwaik und Viktor, die Leiter des Heims freuen sich über unseren Besuch, und so erzählen wir noch lange…
Am nächsten Tag geht’s dann über die Grenze nach Ungarn. Und man höre und staune: Der Beamte, der bisher von mir immer 5 oder 10 Euro wollte, diese aber nie bekommen hat und entsprechend schlecht auf mich zu sprechen war, war plötzlich richtig freundlich und fragte nicht nach Euro! Hoffen und beten wir, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und die Ukraine die Korruption besiegt!
Der ukrainische Zoll verlief sehr gut, doch die ungarische Seite war recht mürrisch und kontrollierte ganz genau auf Zigaretten. Ein paar Lkw vor uns wurde das halbe Fahrerhaus zerlegt, alle anderen durften warten… Erst am Nachmittag waren wir fertig und wirklich froh, wieder in der EU zu sein.
Über Budapest, Wien und Linz kamen wir wieder nach Deutschland. Hier konnten wir noch eine komplette Lkw-Ladung lang haltbare Lebensmittel abholen, wofür wir sehr dankbar sind. Am Abend kamen wir dann wohlbehalten und dankbar wieder zu Hause an.
Viele weitere Bilder!
Hier finden Sie noch weitere Bilder vom Hilfstransport in die Ukraine.
Es ist spannend! Seit Wochen müssen wir den geplanten Hilfstransport in die Ukraine immer wieder verschieben. Nun kommt ein weiterer, lang geplanter Transport „in die Quere“. Nachschub für die Kleiderkammer in Bulgarien. Kurzfristig haben wir uns entschieden, die Güter ausnahmsweise per Spedition zu schicken. Zuerst gings nach Calmbach, hier findet einmal im Jahr eine Kleidersammlung für DHHN statt. Organisiert vom Verein „Pusteblume“. Herzlichen Dank für eures tolles Engagement! Zum weiteren Beladen des Lkws bei DHHN waren Jugendkreis und Sportteam aktiv. Herzlichen Dank für euren tollen Einsatz! Stefan, unser Leiter in Bulgarien, hat sich sehr über den Nachschub gefreut: „Thank you so much for the full truck with goods. It is great help for us in this period of the year!!“

[singlepic id=614 w=600 h=240 float=] …Übernachtung bei „Hans“
Der erste Hilfsgütertransport des Jahres, und doch ganz anders. Bei schönem, mildem Wetter mache ich mich auf die lange Reise zum Balkangebirge. Der Lkw und Anhänger sind vollbeladen mit Hilfsgütern für die Kleiderkammer in Gabrovo. Über München und Passau komme ich gut nach Österreich, hier übernachte ich das erste mal kurz vor St. Pölten. Am nächsten Tag geht es bei beinahe frühlingshaften Temperaturen an Wien und Budapest vorbei bis über die rumänische Grenze. Hier muss ich zwar eine Weile warten, aber die Kontrolle ist für mich dann recht human. Quer durch Rumänien arbeite ich mich vorwärts, heute komme ich bis zu dem berühmten Rasthof „Hans“. Früher, als hier noch deutsche Lkw-Fahrer unterwegs waren, war „Hans“ der Treffpunkt schlecht hin.
Am Donnerstag komme ich dann problemlos über die bulgarische Grenze, sogar die Brückengebühr für die „Brücke der Freundschaft“ über die Donau wurde mir erlassen. Am frühen Abend besuche ich noch Mirjam und Peter. Sie erzählen mir von ihrem Projekt „Winterhilfe“. Sie nehmen im Gemeindehaus Obdachlose auf, die sonst keine Bleibe haben. Die Stadtverwaltung ist ihnen für diesen Dienst von Herzen dankbar. Denn sie sind die einzige Anlaufstelle für solche Menschen in Not. Die Schicksale dieser Menschen sind schockierend.
[singlepic id=619 w=600 h=240 float=] …dichter Nebel in Bulgarien erschwert die Fahrt.
Bei extrem dichten Nebel komme ich dann spät abends bei der Kleiderkammer an. Am nächsten Tag packen alle beim Abladen mit an. Die Kleiderkammer ist quasi leer, und so sind sie über den Nachschub von Herzen dankbar. Denn auch in Bulgarien war der Winter noch nicht da. Und sobald es kalt wird, kommen die Menschen in Scharen und brauchen warme Kleidung…
Am gleichen Tag mache ich mich auf die Rückreise, komme wieder in dichten Nebel und darf die Grenze mal wieder ganz gemütlich „genießen“. Stundenlang stehe ich im Stau, es geht nur langsam vorwärts. Der Grund? Gute Frage, man könnte es vielleicht Bummelstreik der Beamten nennen.
[singlepic id=616 w=600 h=240 float=] …herrrliche Landschaften in Rumänien
Quer durch Rumänien und Ungarn komme ich dann Sonntag Abend wieder nach Österreich. Prompt komme ich bei Ansfelden in eine Lkw-kontrolle. Denn Lkw dürfen Sonntags nicht fahren. Aber das ist kein Problem, denn Hilfstransporte sind vom Fahrverbot ausgenommen. Ich übernachte bei St. Valentin. Während ich tief und fest im Fahrerhaus Schlafe, knacken Diebe den Tankdeckel und zapfen mir Diesel ab. Ungefähr 80 bis 100 Liter. Ich hab nachts nichts bemerkt, erst am Morgen bei der Abfahrtskontrolle.
Auf der weiteren Heimreise mache ich mir viele Gedanken, wie ich das verhindern kann. Aber im Endeffekt kann ich nicht viel mehr tun. Ich tanke immer schon nur morgens, mache ich ein dickes Schloss an den Tank, dann hauen sie mir ein Loch in den Tank und der Schaden ist noch größer. Vielleicht beorge ich mir irgendwo Aufkleber „Biodiesel“, aber ob das hilft?
Auf jeden Fall bin ich dankbar, denn das letzte mal, dass DHHN Diesel geklaut wurde, war vor wir über 10 Jahren.
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