Hilfstransport in die Ukraine März 2014

Die Situation in der Ukraine war und ist immer noch sehr spannend. Wir hatten für Anfang Februar einen Hilfstransport zu unserem Dorfkrankenhaus in die Ukraine geplant. Doch kamen dann die Demonstrationen mit all den schlimmen Ausschreitungen und leider vielen Toten in Kiev dazwischen. Dann waren tageweise die verschiedenen Grenzen blockiert. So verschoben wir den Transport immer wieder. Endlich gab es einen Lichtschimmer, Janukowitsch war geflüchtet, die neue Regierung fing an zu arbeiten, die Polizei wechselte auf die Seite des Volkes.

Das war unsere Chance! Am Freitag, den 28. Februar 2014, startete der Hilfstransport in die Ukraine. Der Lkw war voll beladen mit Rollstühlen, Gehilfen, Matratzen, Krankenhausbetten, Reinigungsmitteln, Kleidung, Decken und Schuhen. Nach dem verzollen in Horb gings es auf die lange Reise in den Osten. Über Hof und Dresden erreichten wir Polen, wo wir in der Nähe von Piotrkov Trybunalski übernachteten. Morgens mussten wir am Anhänger eine Luftleitung reparieren, sie hatte sich durchgescheuert. Aber das ist inzwischen Routine.

kleine Reparatur am Anhänger

kleine Reparatur am Anhänger

Am Abend erreichten wir die Grenze zur Ukraine. Die polnischen Zöllner fragten uns, ob wir zum Maidan wollen. Aber die Abfertigung verlief zügig. Auch an der ukrainischen Seite war nur wenig los. Die Beamten waren sehr freundlich und so konnten wir in Rekordzeit die Grenze überqueren und an der nächsten Tankstelle übernachten.

Am nächsten Morgen sahen wir, dass die Straßensperre komplett weggeräumt war und konnten uns auf die langsame Fahrt auf schlechten Straßen zu unserem Dorfkrankenhaus machen. Unterwegs erfuhren wir von Putins Aktivitäten auf der Krim. Ganz wohl war uns nicht, doch zum Glück ist die Krim weit weg. Eine kurze Pause an einem Friedhof für gefallene Soldaten lies mich sehr nachdenkloch werden. Schon einmal mussten im Kampf in der Ukraine tausende Menschen sterben. Lasst uns beten, dass es für die jetzigen Entwicklungen eine gute Lösung gibt.

abgebaute Barrikade an der Grenze

abgebaute Barrikade an der Grenze

Gegen Abend erreichten wir Ternopil. Auf der Zufahrt zur Umgehungsstraße war eine Straßensperre aufgebaut. Reifen, Paletten, einige Männer. Zögernd fuhr ich hin. Umdrehen bringt ja auch nichts. Ich kurbelte das Fenster runter und war gespannt, was kommt. Doch der Mann fragte mich freundlich, wo ich den hinwolle und was ich dabei hätte. Er freute sich sichtlich, dass wir Hilfe für das Dorfkrankenhaus Ilawtse haben. So konnten wir problemlos passieren und schlugen unser Nachlager im Zollhof auf.

Am nächsten Morgen kamen dann Mitarbeiter vom Krankenhaus und machten die Papiere fertig. Schon am späten Vormittag konnten wir zum Krankenhaus fahren. Unterwegs wieder Straßensperren, diesmal wurden wir gar nicht angehalten. Die Straßen haben diesen Winter wieder sehr gelitten… sie werden Jahr für Jahr rapide schlechter.

Das war mal eine Autobahn...

Das war mal eine Autobahn…

Im Dorfkrankenhaus angekommen geht es unter der Aufsicht vom Zollbeamten ans abladen. Das Hilfsgüterlager füllt sich wieder, die Mitarbeiter sind froh über den Nachschub. Besonders die Inkontinenzprodukte begeistern sie. Denn diese machen die Arbeit doch wesentlich angenehmer. Zum Mittagessen sind wir beim Chefarzt eingeladen, es gibt guten ukrainischen Borscht.

Beim Krankenhaus besichtigen wir noch das neue Gebäude. Denn in unserem Krankenhaus sollen Studenten ihr Praktikum machen. Dieses Projekt wurde von der einem Minister der alten Regierung vornagetrieben. Für uns ist das sehr gut, denn die Studenten packen auch praktisch mit an und entlasten so unsere Mitarbeiter. Doch jetzt in dem ganzen Umbruch sind wir gespannt, ob und wie das weitergeht.

Während der Lkw abgeladen wird, treffen wir Iwan (Name geändert).  Er wartete gerade auf eine Verwandte, die im Krankenhaus zur Behandlung war. Er war auf dem Maidan und berichtete uns mit vielen Bildern von seinen Erlebnissen. Dieser ganz normale Ukrainer war mehrmals für mehrere Tage nach Kiew gereist um an den Protesten auf dem Maidan-Platz teilzunehmen. Ohne vorher mit ihm gesprochen zu haben, zeigte er uns Fotos auf seinem Handy, welche er während den Protesten geschossen hatte. Man sah neben den ganzen Bildern, die jeder aus dem Fernsehen kannte, auch den Alltag auf dem Platz: wie Menschen in Zelten schliefen, sich an Feuern wärmten oder Plakate mit Aufschriften hielten. Sehr beeindruckend war, wie nahe sich die Bergkut-Schlägertrupps und die Demonstranten gegenüberstanden. Hierzu hat er mehrere Fotos geschossen und darauf hingewiesen in welchen Bussen sie kamen, wo sie standen und was sie machten. Uns hat es nachdenklich gemacht, dass selbst vom Land um Ternopol die Leute zu den Protesten in das entfernte Kiew reisten um an den Protesten teilzunehmen.

 

Er berichtete uns von seinen Erlebnissen auf dem Maidan.

Er berichtete uns von seinen Erlebnissen auf dem Maidan.

Am frühen Abend ist der Lkw leer und wir beschließen, gleich noch zurück in die Stadt zu fahren und dort zu übernachten. SO sparen wir Zeit. Denn wegen der Situation auf der Krim wollen wir die Ukraine möglichst schnell verlassen. Nicht dass wir Angst um uns hätten. Im Gegenteil, wir fühlten uns sicher. Die Stimmung in der Ukraine war sehr positiv, die Menschen freundlich, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Obwohl keine Polizei arbeitet, halten sich sogar die „mafia-Leute“ mit ihren dicken Fahrzeugen plötzlich an Geschwindigkeitsbegrenzugen. Als die Polizei noch aktiv war, hat das nicht funktioniert. Man spürt in der Ukraine eine Aufbruchsstimmung.

Wir stellen den Lkw auf einem bewachten Parkplatz ab und fahren mit dem Taxi noch ins Stadtzentrum. Dort hat es auch ein paar Barrikaden und Zelte. Und ganz viele Blumen und Kerzen. Aus Ternopil sind drei Menschen in Kiev erschossen worden. Was hier im Westen kaum erwähnt wird: Es sind noch immer über 300 Menschen, die auf dem Maidan waren, vermisst.

Gedenkstelle für die Opfer der Revolution

Gedenkstelle für die Opfer der Revolution

Am nächsten Morgen geht’s dann wieder gen Westen. Wir fahren auf einer kleineren Straße um kommen so nicht an Lvov vorbei. Man weiß ja nie. Auf katastrophalen Straßen kommen wir problemlos nach einer schönen Karpatenüberquerung nach Ushgorod. Hier können wir an unserem Jugendhaus übernachten und uns duschen. Slwaik und Viktor, die Leiter des Heims freuen sich über unseren Besuch, und so erzählen wir noch lange…

Am nächsten Tag geht’s dann über die Grenze nach Ungarn. Und man höre und staune: Der Beamte, der bisher von mir immer 5 oder 10 Euro wollte, diese aber nie bekommen hat und entsprechend schlecht auf mich zu sprechen war, war plötzlich richtig freundlich und fragte nicht nach Euro! Hoffen und beten wir, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und die Ukraine die Korruption besiegt!

Der ukrainische Zoll verlief sehr gut, doch die ungarische Seite war recht mürrisch und kontrollierte ganz genau auf Zigaretten. Ein paar Lkw vor uns wurde das halbe Fahrerhaus zerlegt, alle anderen durften warten… Erst am Nachmittag waren wir fertig und wirklich froh, wieder in der EU zu sein.

Über Budapest, Wien und Linz kamen wir wieder nach Deutschland. Hier konnten wir noch eine komplette Lkw-Ladung lang haltbare Lebensmittel abholen, wofür wir sehr dankbar sind. Am Abend kamen wir dann wohlbehalten und dankbar wieder zu Hause an.

Es ist spannend! Seit Wochen müssen wir den geplanten Hilfstransport in die Ukraine immer wieder verschieben. Nun kommt ein weiterer, lang geplanter Transport „in die Quere“.  Nachschub für die Kleiderkammer in Bulgarien. Kurzfristig haben wir uns entschieden, die Güter ausnahmsweise per Spedition zu schicken. Zuerst gings nach Calmbach, hier findet einmal im Jahr eine Kleidersammlung für DHHN statt. Organisiert vom Verein „Pusteblume“. Herzlichen Dank für eures tolles Engagement! Zum weiteren Beladen des Lkws bei DHHN waren Jugendkreis und Sportteam aktiv. Herzlichen Dank für euren tollen Einsatz! Stefan, unser Leiter in Bulgarien, hat sich sehr über den Nachschub gefreut: „Thank you so much for the full truck with goods. It is great help for us in this period of the year!!“DHHN-

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[singlepic id=614 w=600 h=240 float=] …Übernachtung bei „Hans“

Der erste Hilfsgütertransport des Jahres, und doch ganz anders. Bei schönem, mildem Wetter mache ich mich auf die lange Reise zum Balkangebirge. Der Lkw und Anhänger sind vollbeladen mit Hilfsgütern für die Kleiderkammer in Gabrovo. Über München und Passau komme ich gut nach Österreich, hier übernachte ich das erste mal kurz vor St. Pölten. Am nächsten Tag geht es bei beinahe frühlingshaften Temperaturen an Wien und Budapest vorbei bis über die rumänische Grenze. Hier muss ich zwar eine Weile warten, aber die Kontrolle ist für mich dann recht human. Quer durch Rumänien arbeite ich mich vorwärts, heute komme ich bis zu dem berühmten Rasthof „Hans“. Früher, als hier noch deutsche Lkw-Fahrer unterwegs waren, war „Hans“ der Treffpunkt schlecht hin.

Am Donnerstag komme ich dann problemlos über die bulgarische Grenze, sogar die Brückengebühr für die „Brücke der Freundschaft“ über die Donau wurde mir erlassen. Am frühen Abend besuche ich noch Mirjam und Peter. Sie erzählen mir von ihrem Projekt „Winterhilfe“. Sie nehmen im Gemeindehaus Obdachlose auf, die sonst keine Bleibe haben. Die Stadtverwaltung ist ihnen für diesen Dienst von Herzen dankbar. Denn sie sind die einzige Anlaufstelle für solche Menschen in Not. Die Schicksale dieser Menschen sind schockierend.

[singlepic id=619 w=600 h=240 float=] …dichter Nebel in Bulgarien erschwert die Fahrt.

Bei extrem dichten Nebel komme ich dann spät abends bei der Kleiderkammer an. Am nächsten Tag packen alle beim Abladen mit an. Die Kleiderkammer ist quasi leer, und so sind sie über den Nachschub von Herzen dankbar. Denn auch in Bulgarien war der Winter noch nicht da. Und sobald es kalt wird, kommen die Menschen in Scharen und brauchen warme Kleidung…

Am gleichen Tag mache ich mich auf die Rückreise, komme wieder in dichten Nebel und darf die Grenze mal wieder ganz gemütlich „genießen“. Stundenlang stehe ich im Stau, es geht nur langsam vorwärts. Der Grund? Gute Frage, man könnte es vielleicht Bummelstreik der Beamten nennen.

[singlepic id=616 w=600 h=240 float=] …herrrliche Landschaften in Rumänien

Quer durch Rumänien und Ungarn komme ich dann Sonntag Abend wieder nach Österreich. Prompt komme ich bei Ansfelden in eine Lkw-kontrolle. Denn Lkw dürfen Sonntags nicht fahren. Aber das ist kein Problem, denn Hilfstransporte sind vom Fahrverbot ausgenommen. Ich übernachte bei St. Valentin. Während ich tief und fest im Fahrerhaus Schlafe, knacken Diebe den Tankdeckel und zapfen mir Diesel ab. Ungefähr 80 bis 100 Liter. Ich hab nachts nichts bemerkt, erst am Morgen bei der Abfahrtskontrolle.

Auf der weiteren Heimreise mache ich mir viele Gedanken, wie ich das verhindern kann. Aber im Endeffekt kann ich nicht viel mehr tun. Ich tanke immer schon nur morgens, mache ich ein dickes Schloss an den Tank, dann hauen sie mir ein Loch in den Tank und der Schaden ist noch größer. Vielleicht beorge ich mir irgendwo Aufkleber „Biodiesel“, aber ob das hilft?

Auf jeden Fall bin ich dankbar, denn das letzte mal, dass DHHN Diesel geklaut wurde, war vor wir über 10 Jahren.

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[singlepic id=610 w=600 h=240 float=] …unterwegs in Ungarn, kurz vor der rumänischen Grenze

Beim letzten Hilfstransport des Jahres kam ich mir vor wie der Weihnachtsmann: Hinter mir im Lkw waren mehrere Tausend Geschenkpakete der Aktion „Strahlende Augen“. Ziel war Rumänien, an insgesamt sieben Abladestellen verteilte ich die Ladung.

Bei recht gutem Wetter kam ich in zwei Tagen nach Rumänien. Unterwegs lag ab und zu Schnee, aber die Straßen waren frei. Erste Abladestelle: Eine Zigeunergemeinde in Arad. Hier kommt Ende Dezember eine große Gruppe Pfadfinder aus Deutschland und verteilt die Pakete in den Armenvierteln. Weiter gings am gleichen Tag zur Suppenküche in Calan. In der Dunkelheit luden wir noch ab. Die Arme wurden immer schwerer, doch die Mundwinkel gingen immer weiter nach oben.

[singlepic id=604 w=600 h=240 float=] …beim Abladen für die Suppenküche Calan

Abends telefonierte ich mit Roland, einem befreundeten Fernfahrer. Er berichtete mir, dass auf der Strecke nach Sibiu demonstriert würde. Im Januar will Rumänien die Treibstoffpreise um 7 Cent pro Liter erhöhen. Dann wäre der Diesel teurer als bei uns! Die armen Menschen… Lkw-Fahrer protestierten und legten den Verkehr lahm. Roland brauchte für 20km fünf Stunden.

Deshalb fuhr ich am nächsten Morgen einen Umweg über Petrosani. Landschaftlich sehr schön, das Schilt-Tal führt in engen Windungen durch die Karpaten in den Süden. Übrigens, mein erster eigener Hilfstransport führte mich vor ca. 20 Jahren nach Petrosani. Da kamen viele Erinnerungen hoch.

[singlepic id=602 w=600 h=240 float=] …Petrosani

[singlepic id=593 w=600 h=240 float=] …herrliche Berge!

Gegen Abend erreichte ich die nächste Stelle in der Nähe von Piteşti. Hier wurde mit vereinten Kräften abgeladen, direkt in Transporter. Die Ladung wurde auf drei Orte aufgeteilt, auch hier wird ein Einsatz stattfinden. Ich fuhr dann noch ein Stück und übernachtete bei „Hans“. Früher, als noch viele deutsche, österreichische und holländische Lkw-Fahrer unterwegs waren, war das der Treffpunkt. Heute bin ich meist der einzige „Wessi“.

[singlepic id=585 w=600 h=240 float=] …abendliches Abladen bei Pitesti

Nächstes Ziel unser Verteilzentrum in Burgberg. Auch hier war die Freude über die Güter wieder groß. Noch während ich da war kamen die Menschen und baten um Unterstützung. Ich bin froh, dass Susanne und Tenni das Lager so gut verwalten und den Überblick haben, wer wirklich Hilfe braucht und wer nur bettelt.

[singlepic id=580 w=600 h=240 float=] …in Burgberg

Am Abend kam ich noch zu unserem Kinderheim in Bazna. Hier gibt es gute Nachrichten! George hat nochmal geheiratet! Seine Frau, Luminitza, kommt sehr gut mit den Kindern klar, spricht auch Englisch und ist sehr fröhlich. Ich habe mich sehr für George gefreut, denn nach dem Tod seiner ersten Frau war es für Ihn sehr schwer.

[singlepic id=579 w=600 h=240 float=] …Familie Boancas in Bazna

Weiter gings nach Cluj, hier war sogar ein Gabelstapler zum Abladen da, so war der Anhänger ruck zuck leer. Auch hier wird eine Pfadfindergruppe aus Deutschland die Pakete verteilen. Letztes Ziel war dann Baia Mare. Hier hatte es viel Schnee. So mussten wir am Straßenrand in einen Sprinter umladen und die Güter damit in den Lagerraum bringen. Hier unterstützen wir auch eine Suppenküche für arme Kinder.

[singlepic id=573 w=600 h=240 float=] …letzte Station: Baia Mare

Auf freien Straßen kam ich dann ohne Zwischenfall wieder wohlbehalten zu Hause an. Überall erlebte ich Freude und Dankbarkeit. Tausende Kinder dürfen sich jetzt auf ein Weihnachtsfest mit einem Geschenk freuen. Für viele das erste Weihnachten mit Geschenk! Und gleichzeitig konnte ich die verschiedenen Stationen mit Lebensmitteln versorgen, so haben die Suppenküchen usw. auch wieder einen Vorrat.

Herzlichen Dank für alle Unterstützung bei unserer Arbeit!

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Seit dem vergangen Jahr ist es sehr schwierig geworden, Hilfsgüter in der Ukraine durch den Zoll zu kriegen. Die neue Regierung ist Pro-russisch, ob es daran liegt? Unzählige Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern von verschiedensten Organisationen warten in der ganzen Ukraine darauf, endlich freigegeben zu werden.

Trotzdem haben wir wieder einen Hilfstransport in die Ukraine gestartet. Geladen haben wir Krankenhausbetten, Rollstühle und medizinische Hilfsmittel in Frankreich. Wegen der Zollproblematik diesmal keinerlei Lebensmittel, Kleidung oder ähnliches. Ziel ist ein staatliches Krankenhaus in Ternopil, das gut mit unserem Dorfkrankenhaus zusammenarbeitet.

[singlepic id=545 w=600 h=240 float=] …unser Ziel in der Ukraine, das Krankenhaus von Ternopil

Gemeinsam mit Florian, der mir für einen Monat hilft, machten wir uns auf die Reise. Zuerst beim Zollamt in Horb den Lkw verplomben, dann ab in den Osten. Über Dresden, Wroclaw und Radom kamen wir nach knapp drei Tagen an die gefürchtete ukrainische Grenze. Am verhältnismäßig kurzen Rückstau kann ich problemlos vorbeifahren, die Abfertigung auf polnischer Seite geht recht zügig. Vor der ukrainischen Waage warten wir dann eine Stunde, dann Pass- und Papierkontrolle. Alles soweit ok. Nun heißt es Lkw parken und ins Zollgebäude, Stempel sammeln. Der Parkplatz ist erfreulich leer. Erste Station: SMAP. Strassenbehörde. Ja wo ist sie denn? An dem Büro, wo die entsprechenden Beamten immer saßen, steht was anderes. Ich frage einen Fahrer, und erschließe aus seiner Antwort, dass es die nicht mehr gibt! Ja klasse! Was hab ich mit den Jungs schon Terz gehabt! Also geh ich zum Zoll, der verweist mich zur Spedition. Die beiden Männer der Spedition machen in einer guten Stunde alle Papiere fertig und reichen sie beim Zoll ein. Und sage und schreibe vier! Stunden nach betreten der Grenze sind wir schon fertig! Das gab’s schon lange nicht mehr! Ein gemütliches Abendessen im Führerhaus und ein gute Nacht auf dem Parkplatz nach der Grenze folgte.

[singlepic id=551 w=600 h=240 float=] …herrliche Strassen 😉

[singlepic id=555 w=600 h=240 float=] …beim Fliegerdenkmal

Am nächsten Tag ging es dann auf die berühmt berüchtigt äußerst schlechte Straße Lvov-Ternopil. Zum Teil wurden wir selbst mit Schrittgeschwindigkeit arg durchgeschüttelt. Am frühen Nachmittag waren wir dann im Zoll von Ternopil, hier wurden die Papiere in Windeseile fertig gemacht. Und schon fuhren wir quer durch Ternopil ans städtische Krankenhaus. Im engen Hof musste ich ganz schön rangieren. Als dann noch eine Leiche vorbeigeschoben wurde, dachte ich, jetzt ist alles zu spät…

[singlepic id=543 w=600 h=240 float=] …im Krankenhaushof

Bei Abladen packten 20 Mann mit an, währenddessen wurde uns ukrainisches Krankenhausessen gereicht. Der Blick in die Küche schockierte uns, ich wollte gar nicht mehr von dem Krankenhaus sehen. Und mich vor allem mit nichts anstecken…

[singlepic id=534 w=600 h=240 float=] …die Köchin in Aktion

Am frühen Abend war der Lkw leer, das Lager voll und die Verantwortlichen bedankten sich bei uns von Herzen für die Betten und all die anderen wertvollen Dinge.

[singlepic id=538 w=600 h=240 float=] …beim Abladen

Auf der Heimreise machten wir noch einen kurzen Besuch im Jugendhaus in Uschgorod. Am Samstag dann über eine recht leere Grenze. Auch hier wurde wieder alles neu organisiert, man kann sogar sagen, verbessert! Ich muss jetzt zum Beispiel nicht mehr für meine nicht vorhandene Ladung (der Lkw ist ja leer) Stempel beim Vito- und Veterinärdoktor, und auch nicht mehr bei der Radiologie holen. Nur noch Waage, Papierkontrolle, Ladungskontrolle, Zoll, Pass. Fertig!

Über Ungarn und Österreich kamen wir dann am Montagabend wieder wohlbehalten daheim an.

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4127 km, 18000 Kilogramm Hilfsgüter, 520 PS, 2 Zollplomben. Nach dem Besuch beim Zollamt Horb geht es direkt auf die Strecke. Bei schönem Herbstwetter fahre ich durch Österreichern und Ungarn. Abends erreiche ich die rumänische Grenze, hier hat es einen langen Rückstau. Fast 4 km stehen die Lkws. Wie in alten Zeiten, als Rumänien noch nicht in der EU war. Zum Glück ging es relativ zügig vorwärts und nach zwei Stunden war ich schon an der Grenze. Waage, Kontrolle von CMR und Pass, und schon fertig.

[singlepic id=445 w=600 h=240 float=] …lange Wartezeit innerhalb der EU an der Grenze nach Rumänien

[singlepic id=441 w=600 h=240 float=] …herrliche Fahrt durch die Karpaten

Ich fuhr noch ein paar Kilometer bis zu einem Rasthof, wo ich dann die Nacht verbrachte. Am nächsten Morgen geht’s bei schönen Wetter weiter: Cluj, Dej, Bistrita und dann hoch in Karpaten. Herrliche Sicht. Jenseits der Karpaten wird’s neblig, oder besser rauchig. Kartoffelernte. In der Dämmerung sieht es richtig schön aus: Überall auf den Feldern brennen die Feuer, in denen das Kraut verbrannt wird. Zahlreiche Pferdewagen, beladen mit Kartoffeln, sind unterwegs. Bald bin ich an meinem Tagesziel, es ist schon dunkel. Ich freu mich auf einen schönen beleuchteten Parkplatz und ein Essen im Restaurant. Doch was ist das? Ein Erdhaufen versperrt für Lkws die Zufahrt. Schade. Weiter geht’s. Obwohl ich bei Dunkelheit hier gar nicht gerne fahre. Die Straßen werden schmäler und schlechter. Endlich finde ich einen Parkplatz an einem Restaurant. Dunkel und laut, immerhin steht noch ein anderer Lkw da.

[singlepic id=439 w=600 h=240 float=] …der unheimliche Parkplatz

Am nächsten Tag erreiche ich die moldawische Grenze, hier ist wenig los, die Beamten arbeiten gut, und so überquere ich die Grenze in guter Zeit. Bis Chisinau sind es noch zwei Stunden, bei einbrechender Dunkelheit erreiche ich die Hauptstadt und finde auf Anhieb den Zollhof Botanica.

[singlepic id=433 w=600 h=240 float=] …Ankunft am Zollhof

Am nächsten Tag dann das übliche: Banges Warten. Wird alles gut gehen? Wird bei der „Physischen“ Kontrolle nichts beanstandet? Andrei, der mir die Papiere macht, berichtet von schlechter Stimmung im Zoll. Das Zollamt soll evtl. geschlossen werden, eine Kommission ist da, die Kontrolle wird schwierig… Während ich im Lkw warte, geht er von Büro zu Büro…

Meine Wartezeit wird durch die Ankunft zweier Holländer aufgelockert. Sie haben auch einen Lkw mit Hilfsgütern. Wir unterhalten uns und so vergeht die Zeit. Das Motto der Holländer: Je schneller man fährt, desto besser. Denn dann fliegt man über die Löcher! J

Am Nachmittag kommt dann Andrei mit den Zöllnern, die Kontroller der Ladung verläuft gut. An dieser Stelle ein dickes Lob an unsere „Packfrauen“, die die Kleider alle sortieren. Es wurde nichts beanstandet! Ich bin von Herzen froh, dass sie so ordentlich sortieren! Was wäre, wenn auch nur eine Babystrampelhose gefunden würde? In Moldawien darf man keine Kleider für Kinder unter drei Jahren als Hilfsgüter mitbringen. Da kann der ganze Lkw zurückgeschickt werden!

Beim Abladen sind die Jungs dann wieder mit vollem Einsatz dabei. Ich lade in Moldawien immer im Lager des Gemeindebundes ab. Das ist super organisiert. Aus dem ganzen Land kommen in den nächsten Tagen Kleinbusse und holen sich ihren Teil der Hilfsgüter ab. So werden die Suppenküchen, Altenheime, Kinderheime und all die anderen sozialen Einrichtung, die sich um die Menschen in Not kümmern, mit unseren Hilfsgütern versorgt. Am frühen Abend sind sie fertig mit Abladen, doch ich beschließe, erst am nächsten Morgen die Heimreise anzutreten.

[singlepic id=432 w=600 h=240 float=] …Danke für euer fleissiges Abladen, Jungs!

Diesmal verlasse ich die Stadt ohne die sonst obligatorische „Polizisten-Anhauch-Alkohol-Kontrolle“. Am Vormittag erreiche ich die Grenze, vollgetankt natürlich. Direkt nach mir kommen die Holländer an. Sie haben mehr Glück, sie werden an den Schalter 8, ich an den Schalter 9 geschickt. Und siehe da, sie sind fast ne Stunde vor mir fertig. Über die Siret geht’s dann auf die rumänische Seite. Passkontrolle. Problem. Ich darf nicht einreisen. Vor zwei Jahren hätte ich eine Strafe wegen Überladung nicht bezahlt… Aber die hatte ich bezahlt. Nach langer Diskussion durfte ich dann zum Glück ausnahmsweise doch einreisen. Jetzt muss ich mal sehen, wie ich das für die Zukunft löse. Wenn sich da jemand auskennt, darf er sich gerne melden!

[singlepic id=428 w=600 h=240 float=] …auf der Heimreise.

Bei schönem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen geht es nun wieder gen Westen, über die schönen Karpaten, durch die ungarische Pusta nach Österreich und endlich nach Hause. Wieder mal bin ich von Herzen froh für alle Bewahrung unterwegs.

Weitere Bilder: [aio_button align=“none“ animation=“none“ color=“gray“ size=“small“ icon=“none“ text=“Bilder“ relationship=“dofollow“ url=“https://www.dhhn.de/blog/bilder-videos/bilder-vom-hilfstransport-moldawien-102013/“]

Hilfstransport nach Bulgarien

Ein weiterer Hilfstransport nach Bulgarien startete im September. Über Österreich und Ungarn kam ich problemlos nach Rumänien, welches ich bei herrlichem Sonnenschein durchquerte. Ein kurzer Stop an einer historischen, aber noch verwendeten Eisenbahnbrücke. Wenn der Lkw auch so lange halten würde!

[singlepic id=415 w=600 h=240 float=] …die alte Brücke.

[singlepic id=417 w=600 h=240 float=] …unterwegs im Olt-Tal.

An der Grenze nach Bulgarien wurde mir endlich mal wieder die Brückengebühr erlassen, und so kam ich nach vier Tagen Fahrt wohlbehalten am Ziel an. Den nächsten Tag verbrachten wir mit Ausladen. Nun ist das Lager wieder voll und viele Menschen freuen sich auf Nachschub an Kleidern.

[singlepic id=319 w=600 h=240 float=] …Einparken am Kleiderlager.

Auf der Rückreise konnte ich mich in Rumänien noch mit ein paar Freunden treffen und einige Pakete aus Deutschland abgeben. Kurz vor der ungarischen Grenze habe ich dann noch einen Hilfstransport vom Hilfsdienst für Notleidende aus Pforzheim getroffen. Gemeinsam haben wir die Grenze überquert und im Hidi noch gemütlich Abendgegessen. Die restliche Rückreise verlief problemlos.

[singlepic id=423 w=600 h=240 float=] …Übernachtung.

Weitere Bilder: [aio_button align=“center“ animation=“none“ color=“gray“ size=“small“ icon=“none“ text=“Bilder“ relationship=“dofollow“ url=“https://www.dhhn.de/blog/bilder-videos/bilder-vom-hilfstransport-nach-bulgarien-092013/“]

Bericht vom DHHN HANDS-team Einsatz Bozed Rumänien 2013

Nach einem heißen Tag geht gerade die Sonne unter, als sich kurz nach der rumänischen Grenze der DHHN Lkw voller Hilfsgüter und zwei Kleinbusse mit jungen Leuten treffen. Wir befinden uns auf einem heruntergekommenen Lkw-Parkplatz, wo wir die Nacht verbringen werden. Wir, das H.A.N.D.S-team, werden in den nächste zwei Wochen Hilfsgüter verteilen und in Rumänien ganz praktisch anpacken und helfen.

[singlepic id=393 w=600 h=240 float=]

[singlepic id=394 w=600 h=240 float=] …fröhliches Abladen der Hilfsgüter bei der Suppenküche.

Am nächsten Tag ist die erste Station die Suppenküche von Angelika und Matthias bei Calan. Hier laden wir ein paar tausend Kilogramm Lebensmittel und Waschmittel ab. Mühsam Paket für Paket von Hand, doch in der Kette kommt viel Spaß auf. Und bei Angelika und Matthias leuchten die Augen, sie freuen sich, dass sie wieder Nachschub haben um den ärmsten der Armen Hilfe zu bringen.

[singlepic id=397 w=600 h=240 float=] …und im Verteilzentrum.

Weiter geht’s, nächstes Ziel ist das DHHN-Verteilzentrum in Burgberg. Bei strahlendem Sonnenschein laden wir den kompletten Lkw und einen Teil des Anhängers aus. Susanne und Tenni freuen sich, dass sich die Scheune mit Hilfsgütern füllt. So können sie wieder dringend benötigte Hilfsgüter an die Bedürftigen weitergeben.

Bei einem kräftigen und leckeren Mittagessen erzählt uns Susanne aus der Geschichte ihrer Familie, sie sind Siebenbürger Sachsen und wie es den Menschen in Rumänien heutzutage geht. Sie bereichtet, dass immer wieder Menschen an ihrem Hoftor klopfen und um Hilfe bitten. Für Susanne und Tenni ist es eine große Herausforderung zu entscheiden, wer Hilfe bekommt. Da gibt es die einen, die wirklich Not leiden und nicht daraus herauskommen, und die anderen, die alles versaufen. Aber was kann ein kleines Kind dafür, wenn der Vater das geringe Einkommen vertrinkt? Wir wünschen Susanne und all den anderen Menschen, die solche Fragen entscheiden müssen, viel Weisheit!

Nach einem Spaziergang durchs Dorf geht’s weiter zum DHHN-Kinderheim nach Bazna. Auch hier laden wir Hilfsgüter ab und genießen mit Melonen die Zeit mit den Kindern. Die Begeisterung ist auf beiden Seiten groß!

[singlepic id=398 w=600 h=240 float=] …am Kinderheim.

Spät abends kommen wir dann in Bozed an. Hier werden wir die nächsten zwei Wochen tatkräftig helfen. Nach einer Nacht unter dem Sternenhimmel richten wir am nächsten Morgen erst mal unser Lager ein, Zelte aufbauen, Küche einrichten, Dusche bauen.

Am Nachmittag geht’s dann los. In den zwei Wochen haben wir verschiedene Projekte, durch die wir Bernd und Fränzi helfen:

  • Wir pflücken die Aronia-Beeren und hacken danach die ganze Plantage, die wir letztes Jahr eingezäunt hatten.

[singlepic id=401 w=600 h=240 float=] …Aronia Beeren sind schwarz….

  • In zwei Gebäuden renovieren wir die Innenräume, ganz klassisch rumänisch. Zuerst sind wir in brütender Hitze in die Lehmgrube, die ganz vertrocknet ist. Mit Pickel und Hacke mussten wir den Lehm abschlagen, eine richtig anstrengende Arbeit. Danach den Lehm mit Wasser stampfen. In den Räumen haben wir zum Teil den alten Putz komplett, zum Teil nur die losen Stellen entfernt. Und dann alles schön ordentlich mit Lehm wieder verputzt. Das hatte vorher noch niemand von uns gemacht, aber das Ergebnis ist echt schön geworden und die jungen Leute sind berechtigt stolz darauf.

[singlepic id=408 w=600 h=240 float=] …Lehmputz auftragen.

  • Im Wohnhaus von Rollers haben wir die Decke isoliert, mit Strohballen. Eine schweißtreibende Angelegenheit. Hoffentlich haben es die Rollers dann diesen Winter wärmer…

[singlepic id=407 w=600 h=240 float=] …isolieren mit Strohballen.

  • Durch eine verwilderte Hecke mussten wir einen Zaun ziehen, also erst mal ein Schneise mit Motorsäge und Baumschere schlagen.  Danach fuhren wir in den Wald um Bäume zu fällen und daraus Zaunpfosten machen. Als nächstes dann  Löcher graben und einen ordentlichen Zaun aufbauen.

[singlepic id=412 w=600 h=240 float=] …Projekt Zaunbau.

  • In der zweiten Woche hatten wir nachmittags für die Kinder von Bozed ein tolles Kinderprogramm, die Kinder waren begeistert und mit viel Spass dabei. Viele Kinder kannten wir vom letzten Jahr. Neben lustigen Spielen, Bastelarbeiten und fröhlichem Singen lernten die Kinder auch den Psalm 23 auswendig.

[singlepic id=410 w=600 h=240 float=] …viel Freude beim Kinderprogramm.

  • Und dann noch all die kleinen Aufgaben: Jeden Morgen um sechs Ziegen Melken und auf die Weide bringen, für Rollers ein neues Bett bauen, das Plumpsklo leeren, beim Traktor das reparierte Getriebe einbauen, die Hofeinfahrt richten, ein Hoftor reparieren…

Eine wirklich ausgefüllte Zeit! Am Wochenende hatten wir einen schönen Ausflug, haben Schäßburg besichtigt. Etwas Kultur muss sein. J

Wir haben uns voll gefreut, dass wir auch ganz in der Nähe einen See entdeckt haben, mit „Sprungturm“. Wir waren fast jeden Abend dort um uns abzukühlen uns zu waschen…

Eine besondere Herausforderung war ein Virus, fast jeden hat es mal erwischt. Ein Tag „Magen-Darm“, danach war wieder alles gut.

Insgesamt blicken wir auf einen guten und effektiven Einsatz zurück. Wir freuen uns, dass wir so viel praktisch helfen konnten.

Hilfsgütertransport Moldawien Juli 2013

Hilfstransport nach Moldawien, ins Armenhaus Europas. Gemeinsam mit tausenden anderen Menschen dachte ich, besonders schlau zu sein und startete schon am Donnerstag, um nicht am Freitag oder Samstag in den Ferienstau zu kommen. Tja, nix war’s… Stundenlang konnte ich mir die Autobahn mal ganz genau anschauen. J

Am nächsten Tag in Wien dann nochmals ein Megastau, ich erreichte dann einiges später als geplant die ungarische Grenze. Hier gibt es jetzt leider auch eine neue Maut, die kilometerabhängig ist. Rund 100€ für einmal durch Ungarn fahren. (Übrigens, ein Transport nach Moldawien hin und zurück kostet alleine 570€ Maut!) Diese Mau muss man an solchen Terminals buchen. Dort gibt man Start und Ziel an, der Computer beschließt dann, wie man fahren muss und wie viel das kostet. Allerdings ging schon mal gleich das erste Terminal gar nicht. Nach einigem probieren zusammen mit anderen Fahrern fuhr ich „illegal, weil ohne gültiges Ticket“, zum nächsten Rasthof. Auch hier war das Gerät abgestürzt. Ein Polizist, der gerade dort war, meinte, ich solle doch über die Autobahn zum Rasthof auf der anderen Seite…. Mach ich nicht, mir zu gefährlich, wieder illegal weiter. Am nächsten hats dann funktioniert, ich darf für 100€ Ungarn durchqueren und habe dafür sogar genau zwei Tage Zeit!

In großer Hitze erreiche ich am nächsten Tag die rumänische Grenze, problemlos komme ich rüber. EU sei Dank! Über Cluj und Sibiu komme ich spät abends bei den Fackelträgern an, übernachte dort und räume den Palettenkasten aus. Hier hatte ich zahlreiche Pakete für sie dabei. Weiter gings dann in flimmernder Hitze über die Karpaten zur moldawischen Grenze, die ich abends erreichte.

[singlepic id=368 w=600 h=240 float=] …in der Schlange nach Moldawien.

Ganz gemächlich geht alles seinen Lauf. Doch der moldawische Zöllner ist neugierig. Im reicht die Ladeliste nicht aus, ich muss den Lkw röntgen lassen. Gut, wieder mindestens eine Stunde Beschäftigung…. Nachdem der Scanner über den Lkw gefahren ist, braucht es normal ein paar Minuten, und man bekommt seine Papiere. Doch nicht so heute. Seit Jahren bin ich schon sehr neugierig, was die da wohl alles erkennen. Und heute ist der große Tag! Die Tür geht auf, und ich soll reinkommen. Auf den Bildschirm erkennt man verschwommen völlig undeutlich den Lkw und die Silhouetten der Ladung. Ich soll ihnen erklären, was auf der Liste was im Lkw sein könnte… Ich muss fast loslachen, weil die Beamten das so völlig ernst durchziehen und eigentlich gar nichts erkennen…

Morgens um drei bin ich dann mit der Grenze fertig und darf einreisen. Da man in Moldawien nicht so ohne weiteres übernachten kann, muss ich noch die zwei Stunden bis Chişinău fahren, was ich nur sehr ungern mache. Aber im Morgengrauen komme ich dort sicher an und kann noch bis 7:00 Uhr schlafen, dann geht’s es schon zum Zoll.

[singlepic id=359 w=600 h=370 float=] …unterwegs in Moldawien.

Hier treffe ich einen anderen Hilfstransport von der Oase, die schon seit 1,5 Tagen dastehen. „Das kann ja lustig werden….“, denke ich. Doch am frühen Nachmittag kommt Sergei zurück und erklärt mir, dass jetzt noch Ladungskontrolle ist und dann sind wir fertig. Er wirkt etwas angespannt. Die Kontrolle verläuft ganz gut, jede Zöllnerin findet etwas Passendes… Und schon sind mir fertig.

Hinterher erzählt mir Sergei, dass heute alle Hilfstransporte ganz genau geprüft werden sollen. Eigentlich war der Auftrag der Zöllner, alles komplett auszuladen. Denn wie es leider oft vorkommt, gibt es Firmen, die als Hilfsgüter getarnt irgendwelche Sachen einführen.

Am frühen Abend, als es etwas kühler wird, laden wir den Lkw ab. Ganz easy mit Gabelstapler. Das ist das tolle an unserem Partner in Moldawien: Eine super Organisation. Zentral werden die Hilfstransporte in Chişinău verzollt und abgeladen. Dann werden die Güter im ganzen Land verteilt. An Suppenküchen, Kinderheime, Altenheime und an die Ärmsten der Armen.

[singlepic id=370 w=600 h=240 float=] …beim Abladen.

Am nächsten Morgen mache ich mich auf die Heimreise und besuche unterwegs noch Viktor, einen beeindruckenden Mann, der sich völlig für die Hilfe an Menschen in Not investiert. Hier ein Bericht von dem, was ich dort erlebt und gesehen habe.

[singlepic id=354 w=600 h=240 float=] …eine blinde Frau, die die unsäglichem Elend lebte.

Am späten Nachmittag komme ich zur Grenze und erlebe endlich mal wieder eine tolle Abfertigung. Nach 80 Minuten bin ich wieder in der EU. In brütender Hitze geht es immer gen Westen. Ich treffe mich noch mit Bernd, um ein paar Details zum Hilfseinsatz nächste Woche zu besprechen und weiter geht’s. Ohne Stau und Probleme, dafür mit dem niedrigsten je dagewesen Verbrauch komme ich nach ein paar Tagen wieder daheim an. Und das trotz extremer Hitze und Klimaanlage…

Weitere Bilder: [aio_button align=“none“ animation=“none“ color=“gray“ size=“small“ icon=“none“ text=“Bilder“ url=“https://www.dhhn.de/blog/bilder-videos/bilder-vom-sommerhilfstransport-nach-moldawien/“]

Ein kräftiger Schlag an meine Hand, das Lenkrad wars. Ich steige aus, der Lkw steht in einer Öllache. Nachts um drei. Mitten im Zollhof. Was tun? Klar, erst mal die Papiere beim Zoll fertig machen. –

Ich hatte eine gute Reise in den Osten, erste Übernachtung bei lieben Freunden bei Dresden, dann frisch gestärkt weiter. Beim Dresdner Kreuz war dann ein verwirrendes Umleitungsschild, und so bin ich einen großen Umweg über Forst nach Polen gefahren. In Polen waren dann die ersten Kilometer vermutlich noch original Autobahn aus dem dritten Reich, eine Katastrophe! Übernachtung bei einem guten BP Rasthof, am nächsten Tag weiter bis zur polnisch-weißrussischen Grenze bei Brest. Die ganze Zeit über herrliches Wetter! An der Grenze, ich kam um 16 Uhr an, fast kein Rückstau. In recht guter Zeit die Abfertigung auf polnischer Seite erledigt.

[singlepic id=335 w=600 h=370 float=] …Schlange im Niemandsland.

Dann gings ans warten im Niemandsland. Immer wieder mal eine Lkw-Länge vorwärts. Um 21:00 bin ich dann endlich bei der Vorkontrolle von Belarus. Dann auf den Parkplatz und der Spaß in der großen Schalterhalle geht los. Letztes Mal hatte ich mir die Reihenfolge der Schalter aufgeschrieben, und so läuft alles wie am Schnürchen, Spedition, Strassengedöns, Doktor Veterinär, Doktor Vito, dann zurück zur Spedition, dann zum Zoll. Hier kommt’s ins Stocken. Um 23:00 soll ich den Lkw röntgen lassen. Um 24:00 ist das erledigt. Aber ich soll noch an die Rampe fahren, und dort alle Kleiderpakete ausladen. Ich glaub, es geht los und machte den Zöllner unmissverständlich klar, dass ich nicht mitten in der Nacht hier meinen Lkw auslade. Sie können ja mit nach Minsk kommen, da laden wir eh ab… Der Zöllner bringt dann Arbeiter, dich fürs abladen bezahlen soll. Ich glaub, es geht los. Ich erkläre nochmal, dass die Ladung in Minsk eh abgeladen wird… Wir einigen uns darauf, 10 Pakete abzuladen. Die schneiden wir kurz auf, er schaut nicht mal richtig rein und ich kann wieder einladen. Man muss nicht alles verstehen…

Ich fahre zurück zum Parkplatz. Hier platzt beim Lenken der Schlauch der Servolenkung… Das Lenken wird extrem schwer. Aber zuerst noch die Papiere fertig machen. Um 4 Uhr weißrussische Zeit verlass ich mit ganzem Körpereinsatz am Lenkrad den Zollhof und übernachte direkt nach dem Schlagbaum, übrigens auch ein russisches Wort, am Straßenrand. Es wird gerade schon hell…

Am Morgen dann erst mal mit Matthias in Deutschland telefoniert, er gab mir die Nummer von einem Mercedes-Service in Brest,  also da, wo ich jetzt war und die Teilenummer für den Schlauch. Ich bin dann zu einem russischen Lkw-Fahrer gelaufen, hab ihn zu meinem Lkw geholt, im das Problem gezeigt und die Telefonnummer und Teilenummer dazu. Er hats dann geschnallt und für mich dort angerufen. Allerdings wäre das Ersatzteil erst in sieben Tagen da…

[singlepic id=339 w=600 h=370 float=] …Reparatur am Strassenrand

Also Plan B. Nochmal mit Matthias telefoniert, wie weit ich denn maximal fahren dürfe, ohne dass etwas weiteres kaputt geht: 3km. Das ist nicht viel. Nach 1,5km sah ich rechts über dem Feld neben der Autobahn eine Werkstatt. Warnblinker rein, hingelaufen, Mechaniker über Feld zum Lkw mitgenommen. Und, er kanns richten! Gemeinsam bauen wir das Teil aus. Dann meint er, ich soll schlafen, er kommt in ein paar Stunden wieder. (Er musste den Hochdruckschlauch, 175bar, extra anfertigen lassen.) Mittags kam er dann wieder, inklusive frischen Öl und ruck zuck war der Lkw wieder fit!

So, ich könnte jetzt total ärgerlich sein, dass das passiert ist. War ich auch kurz, aber dann wurde ich dankbar. Der Schlauch ist erst geplatzt, als ich mit dem Lkw nicht mehr indem chaotischen Zollhof rumrangieren musste! Was wäre gewesen, wenn der Schlauch vor dem Röntgen oder so geplatzt wäre? Perfektes Timing!

An diesem Tag hatte es genau 25 Grad, also durfte ich weiter gen Minsk fahren. (Über 25 Grad herrscht Fahrverbot für Lkw). Mit einem schönen Badestopp an einem See kam ich abends in Minsk an. Ich traf mich mit Swetlana und Oleg, sie fuhren mit voraus zum Zollamt. Zu einem anderen als sonst. Ich sagte ihnen zwar, dass sie drauf achten sollen, wo Lkw Verbot ist. Aber es ging mitten durch die Stadt, durchs Regierungsviertel und all die Prachtstraßen entlang.

[singlepic id=343 w=600 h=370 float=] …in Minsk.

Am Zoll angekommen, traute ich meinen Augen nicht: Ein runtergekommener Hinterhof mitten in der Stadt, ich war der einzige Lkw dort. Toilette, reden wir von was anderem… Ich bin dann noch etwas in die Stadt spaziert auf der Suche nach ner Pizzeria oder so, aber es gab leider nur Kneipen. Dafür gabs dann zurück im Lkw Cornflakes mit frischen Heidelbeeren auf Joghurt. Übrigens, die Heidelbeeren habe ich auf dem Pannenstreifen der Autobahn gekauft, da stehen immer wieder meist ältere Frauen und verkaufen, was der Wald und Garten hergibt. Ihr solltet mal die strahlenden Augen sehen, wenn ich ihnen nach dem Bezahlen noch eine Tafel Schokolade schenke…

[singlepic id=344 w=600 h=370 float=] …am Zollamt.

Am nächsten Morgen, gings los mit dem Zoll. Gleich beim zweiten Büro wurde ich zurück in den Lkw geschickt, ich solle warten. Ich fragte, wie lange, 2,3,4 oder 5 Stunden? Nein, eine halbe! Ich nutze noch das etwas sauberere WC der Zöllner und ging zum Fruchtstücken in den Lkw. Noch bevor ich fertig war kam die Zöllnerin, Plomben ab machen, alles fertig! Unglaublich!

Dann wieder quer durch die Stadt zum Invalidenverein. Diesmal fuhr Aleksandr voraus, ein Lkw-Fahrer. Tip top, nur korrekte Straßen. J Das Büro und Lager des Invalidenvereins ist in einem Wohnblock. Die Polizei musste erst einige parkenden Autos wegschicken, eh ich hinfahren konnte. Gemeinsam mit den Männern vom Rehazentrum luden wir den Lkw ab. Olga vom Invalidenverein erzählte mir, dass sie über 2000 Invaliden direkt helfen. Menschen, die sonst nur auf sich alleine angewiesen wären uns sonst keine Hilfe bekämen. Kiste für Kiste füllten sich die Räume, bis am Ende fast nichts mehr reinpasste und in jeder Ecke Stapel mit Hilfsgütern standen. Olga und ihre Mitarbeiter waren von Herzen für die Hilfsgüter dankbar, die sie nun weitergeben dürfen. Sie lassen jeden Spender und Unterstützer von DHHN herzlich Grüßen!

[singlepic id=348 w=600 h=370 float=] …beim Abladen.

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Am gleichen Nachmittag machte ich mich wieder auf die Heimreise. Über Litauen, da man dort mit vollem Tank einreisen darf. Das lohnt sich, kostet hier der Diesel doch unter 75 Eurocent pro Liter. An der Grenze dann ein Kilometerlanger Rückstau. Ich natürlich vorbei, bis ganz nach vorn. Doch dort stehen diesmal zwei Zöllnerinnen. Das ist oft schwieriger. So auch heute: Ich muss zurück! Alles diskutieren half nix, zurück! Na gut, umgedreht, zurückgefahren. Aber nur 200m. Dann konnte ich wieder umdrehen und in eine Lücke in der Schlange. Nach 15 Minuten war ich wieder bei den Damen, ihr hättet deren Gesichter sehen sollen.

[singlepic id=353 w=600 h=370 float=] …an der Grenze.

Die Grenze ging ganz gut, nach drei Stunden war ich durch und freute mich, wieder in der EU zu sein. Auf einem teuren und schlechten Parkplatz mit dreckigem WC verbrachte ich die Nacht. Am nächsten Tag dann quer durch Litauen, eine schöne Pause an einem See, und weiter nach Polen bis kurz vor Warschau.

In Österreich durfte ich noch Lebensmittel abholen, so ging die Tour von Polen nach Tschechien, welches ich am Sonntag erreichte. Nach meinen Informationen war dort aber von 13-22 Uhr auf den großen Straßen Fahrverbot. Also ab 13:00 nur noch auf kleinen Straßen unterwegs, landschaftlich herrlich aber sehr anstrengend. Abends kam ich dann, ca. zwei Stunden vor der österreichischen Grenze, auf die große Straße. Plan war, hier an der nächsten Tankstelle mit Parkplatz zu übernachten. Gab es aber nicht. So fuhr ich noch weiter in die nächste größere Stadt und kam gerade an einer Polizeikontrolle vorbei. Die waren zum Glück mit einem anderen Lkw beschäftigt. J

Hier gab es einen großen, unbewachten Lkw-Parkplatz, wo ich die Zeit bis 22:00 Uhr verbrachte. Zum Übernachten wars mir nicht geheuer. Um kurz vor 22Uhr gings dann weiter, ich wollte noch über die österreichische Grenze. Plötzlich Blaulicht hinter mir, welches mich dann überholt. Vor mir macht er es aus, und fährt dann rechts ran. Unsicher fahr ich weiter, da er nicht mal mit der Hand gewunken hat oder so. Im Spiegel sehe ich, wie die Scheinwerfer des Polizeiautos mir folgen. Dann geht wieder das Blaulicht an, ich werde wieder überholt und zum Anhalten aufgefordert. Kontrolle! Ladung: nicht vorhanden. Tachoscheibe: Ich erkläre, dass ich als Hilfstransport ja von der Lenkzeitregelung ausgenommen bin und deshalb ihm keine Scheibe zeigen möchte (sonst gäb es wohl Ärger wegen Sonntagsfahrverbot). Alles in einem recht freundlichen Klima. Er akzeptiert das, ich muss ihm noch nachweisen, dass wir den Lkw nur für Hilfstransporte nutzen… (Wahrscheinlich war das der gleiche Polizist, der mich bei der vorherigen Kontrolle nicht anhalten konnte)

Ich kam dann bei starkem Regen noch bis Österreich und übernachtete dort auf einem Parkplatz am Straßenrand. Am nächsten Tag habe ich dann die Lebensmittel abgeholt und die Fahrzeit hat sogar noch bis nach Hause gereicht. Müde und dankbar kam ich wieder daheim an.

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