Soeben haben wir eine große Spende bekommen: 80 Paletten Konserven! Klasse! Herzlichen Dank! Ein großer Teil geht davon in die Ukraine, nun bin ich auf Hochtouren dabei, noch alles vor dem Urlaub zu organisieren. Je nachdem, wie es läuft, müssen wir unsere Urlaub um eine Woche verkürzen, damit wir alles rechtzeitig vor dem Ablaufdatum verteilen können…

Vielen Dank, dass Sie uns mit ihrer Geldspende helfen, auch diese Transporte zu bezahlen!

Heute habe ich die neuesten Nachrichten von DHHN per Email an viele Freunde und Unterstützer verschickt. Wenn Sie keins bekommen haben, können Sie es hier lesen. Gerne können Sie sich auch in die Liste eintragen und erhalten dann das Mail automatisch. Wir wünschen Ihnen einen schönen Urlaub!

office discount ist neuer Premium-Partner von Bildungsspender. Bestellungen bei dem beliebten Büroartikelversender werden dauerhaft mit 8,1% vom Einkaufswert für DHHN vergütet.

Sie haben zwei Möglichkeiten, um mit Ihrem Einkauf zu helfen: Auf diesen Link klicken: https://www.bildungsspender.de/shopping?shop=035b005a0b6f56e368f8c528803fd9c5 und dann bei office discount einkaufen oder noch besser gleich den Shop-Alarm installieren und bei vielen Einkäufen daran erinnert werden, DHHN zu unterstützen: https://www.bildungsspender.de/dhhn/shop-alarm

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Von Leiter unseres Jugendhauses in der Ukraine habe ich schlimme Neuigkeiten berichtet bekommen. In vielen Dörfern werden alle Männer zwischen den Jahrgängen 1976 und 1985 für den Krieg eingezogen. Allein in Kaminiza, wo er wohnt, 70 Männer. Viele Firmen können nicht mehr prodizieren, da die Mitarbeiter fehlen. Die Soldaten, die bereits im Osten sind, berichten, dass sie seit Tagen kein Essen und Trinken bekommen haben. Es gibt keine Waffen und keine Munition. Die Soldaten seien quasi an der Front und müssen warten, bis sie abgeschossen werden und können sich nicht wehren.

Nun stehen die Frauen auf und wehren sich. Überall in der Ukraine hat es Strassensperren um zu verhindern, dass die Männer eingezogen werden.

Im Fernsehen hat der Präsident auf den härtesten Winter vorbereitet. Es wird kein Gas geben, da die Ukraine kein Geld hat, welches zu kaufen. Überall bauen sich die Menschen, die es sich leisten können, Holzöfen ein. Auch im Jugendhaus müssen wir handeln.

Im Westen der Ukraine hat es viele Flüchtlinge aus der Ostukraine, doch es ist kein Geld da, um sie zu versorgen. Helfen Sie uns, Hilfe zu bringen! Wir planen, dass die nächsten Transporte nach dem Urlaub in die Ukraine gehen. Wie immer möchten wir auch in dieser schwierigen Lage den Menschen beistehen, die sich selbst nicht helfen können: Kinder, ältere Menschen und den Flüchtlingen, die alles zurück lassen mussten.

Beten Sie für die Menschen in der Ukraine!

Im Juli startete ich wieder mit einem Lkw voller Hilfsgüter nach Moldawien. Schwer beladen mit Babynahrung, Waschmittel, Kleidung, Schuhen und Matratzen machte ich mich auf die lange Reise. Über Österreich und Ungarn kam ich problemlos nach Rumänien. Hier traf ich mich mit Bernd, dem Leiter der Boaz-Farm und übergab ihm ein paar dringend erwartetet Pakete. Am nächsten Tag erreichte ich abends die moldawische Grenze. Die rumänische Seite ging ruck-zuck, dann kam ich an die moldawische. Zuerst zum Chef, dann wurde mir ein Zöllner zugeteilt. Ich gab alle Papiere ab und wollte dann die Zeit nutzen, um mit meiner Frau zu telefonieren. Doch kaum haben wir fünf Sätze gesprochen, wedelte der Zöllner mit den Papieren, alles fertig. Unglaublich! Innerhalb von einer halben Stunde habe ich die Grenze Rumänien/Moldawien überquert! Das gab’s noch nie! Herzlichen Glückwunsch, liebe Zöllner! Bleibt so!

Kurz nach der Grenze von Moldawien

Kurz nach der Grenze von Moldawien

Spät am Abend kam ich dann im Zollhof Industriala an. Leider gab es dort herum kein Restaurant, so dass ich das WM-Finale im Radio auf Rumänisch verfolgen musste. Aber ich gab schnell auf, da ich einfach zu wenig verstehe…

Am nächsten Morgen ging’s dann los mit den Papieren, alles seinen geregelten Gang, und am frühen Nachmittag war alles fertig und wir konnten anfangen, den Lkw abzuladen. Dank des Gabelstaplers waren wir bis zum Abendessen fertig. Am Abend traf ich mich dann noch mit den Fahrer eines anderen Hilfstransportes, die gerade ebenfalls in Chişinău waren.

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Und schon ging es wieder auf die Heimreise. Natürlich machte ich die Tanks in Moldawien randvoll mit Diesel, der Liter kostete knapp einen Euro. Die moldawische Seite verlief gut. Dann kam die gefürchtete rumänische Passkontrolle. Eine Frau hatte Dienst. Ich sah, wie sie den Mann vor mir rund machte und war dann äußerst freundlich zu ihr. Wir unterhielten uns nett auf Englisch, als sie mir eröffnete, dass ich ein Problem habe. Ich meinte nur, mir geht’s gut! 🙂

Auf jeden Fall hat der neue Pass nichts gebracht und sie fingen wieder an von einer Strafe, die ich vor zwei Jahren nicht bezahlt hätte. Ich durfte damals aber erst weiter, nachdem ich die Strafe bezahlt hatte. Und darüber sprechend und verhandelnd verbrachten wir die nächsten drei Stunden. Ein Gewitter unterbrach die nette Konversation für eine Stunde, und nach einer weiteren Stunde hieß es dann „Everything is ok, you can go“. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.

Das interessante ist ja, dass sie mich nicht informieren können oder wollen, welche Strafe in welcher Höhe da noch fällig ist. Und solange die mir das nicht genau schriftlich sagen bezahle ich natürlich auch nichts… Ich bin gespannt, was beim nächsten Mal passiert.

Abends erreichte ich einen schönen beleuchteten Parkplatz mit Kameras in den Karpaten, wo ich auch diese mal wieder übernachtete. Nachdem ich mir mein Abendessen gegrillt hatte ging’s bald ins Bett. Kurz nach Mitternacht klopfte es dann am Führerhaus. Erst wollte ich es ignorieren, doch es hörte nicht auf. Ich schaute dann doch raus, und siehe da, es war die Polizei! Freundlich auf Englisch erklärten sie mir, dass ich besser sofort den Platz verlassen solle, da hier sehr viel Diesel geklaut werde. Die Kameras seien nur Attrappe, und tatsächlich war auch das Licht komplett aus. Ich bedankt mich, war aber nicht sehr erfreut. So musste ich mitten in der Nacht und todmüde noch über die ganzen Karpaten und fand dann erst auf dem Westhang der Karpaten einen Parkplatz, wo noch mehr Lkw standen. Nun musste ich um halb vier meine Pause wieder von vorne anfangen, 11 Stunden. Aber bis 14:30 dort in der Hitze stehen wollte ich auch nicht und so fuhr ich am Vormittag noch die 1,5 Stunden bis zu Dagmar und Denis sowie Michaela und Stefan bei den Fackelträgern. Hier verbrachte ich den Nachmittag und die Nacht, half ein wenig mit, es war einfach schön.

Herrliche Landschaft

Herrliche Landschaft

Am nächsten Tag traf ich zum Abendessen kurz vor der ungarischen Grenze den anderen Hilfstransport nochmals. Und zwei Tage später kam ich dann gesund und dankbar wieder zu Hause an.

 

Ein neues Ziel liegt vor uns. Wegen der Krise in der Ukraine und der damit verbundenen Unsicherheit Anfang des Jahres haben wir uns im Verein entschieden, in Zukunft auch Hilfsgüter nach Albanien zu finden.

Gemeinsam mit einem tollen Partner, dem Christlichen Hilfsverein Wismar (CHW), versorgen wir vor allem die notleidenden Menschen in den Bergdörfern von Albanien. Zum großen Teil sind diese Dörfer nur mit dem Geländewagen oder Unimog erreichbar und die Menschen leben in unvorstellbarer Armut. Gerade einmal 15 Euro pro Monat gibt es vom Staat, zu wenig, um zu leben, aber zu viel, um zu sterben.

Ein spannender Hilfstransport lag vor mir. Wochenlang recherchierte ich, sammelte Informationen und fragte bei verschiedensten Hilfewerken an. Doch fast niemand bringt Hilfe nach Albanien, so dass ich kaum Informationen bekam. Mein Ziel war, eine möglichst günstige Route zu finden. Denn die Mautkosten in den verschiedenen Ländern sind recht hoch…

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So fuhr ich zuerst über Österreich die Tauernautobahn durch die herrlichen Alpen, dann aber kurz vor dem teuren Karawankentunnel nach Italien. An Udine vorbei nach Triest, hier gings nach Slowenien. Dank EU waren die Grenzen „nicht vorhanden“ oder ganz einfach. Kaum 30km später war ich dann schon in Kroatien, wo ich bei Rijeka das erste Mal die Adria zu sehen bekam. Nun folgte ich bis Maslenica der wunderschönen Küstenstraße 8, die sich lieblich am Meer entlang windet. Herrliche Aussichten, aber ich kam nur langsam voran. Doch dafür sparte ich viel Maut und natürlich genoss ich die schöne Natur in vollen Zügen. Leider begleitete mich meist eine Gewitterfront, so dass aus dem Bad in der Adria nichts wurde.

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Immer weiter gen Süden, durch einen schmalen Streifen Bosnien bei Neum, der einzige Meereszugang Bosniens. Ich war gespannt, wie das wird. Verlässt man doch für 5km die EU, um dann gleich wieder in die EU einzureisen. Doch wieder erwarten musste ich keine Zollpapiere machen, ruck zuck war ich jeweils abgefertigt und war wieder in Kroatien. An Dubrovnik vorbei an die Grenze nach Montenegro. Hier wurde mein Carnet TIR bearbeitet, aber alle waren sehr freundlich und insgesamt brauchte die Grenze keine Stunde. Da es schon recht spät am Tag war nahm ich eine kurze Fähre und schaffte es dann am Abend noch bis Podgorica, kurz vor der albanischen Grenze, wo ich an einer Tankstelle übernachtete.

Am Sonntagmorgen machte ich dann ganz neue „Grenzerfahrungen“ in Hani i Hotit. Die montenegrinische Seite verlief recht gut, auf albanischer Seite, eine richtig schöne alte Grenze wurde es dann spannender. Nach einer Weile fand ich den Zoll. Dort wurde ich mit Handschlag begrüßt und mir wurde erklärt, dass sonntags der Computer erst ab 10:00 Uhr arbeiten würde. Ich solle doch solange einen Kaffee trinken gehen. Kurz vor 10 war ich dann wieder am Schalter, freundlich wurde ich darauf hingewiesen, dass es in 5 Minuten so weit sei. Und dann waren innerhalb von 10 Minuten meine Papiere fertig. Das war wirklich eine tolle Erfahrung! (Am liebsten würde ich wegen solch freundlicher Zöllner nur noch nach Albanien fahrenJ)

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Nun lag eine lange Fahrt durch Albanien vor mir. Lebhafte, aber recht gut ausgebaute Straßen. Immer Richtung Tirana, der Hauptstadt. Mir fiel auf, dass es quasi keine westlichen Sachen gibt: Weder Lidl oder Aldi, noch Shell oder BP, noch McDonalds oder Burger King. Dafür jede Menge kleine Läden, Märkte, Werkstätten und Restaurants. Wenn nicht viele Menschen recht armselig rumlaufen würden, könnte man meinen, dass hier die Welt noch in Ordnung ist.

Plötzlich befand ich mich in der Innenstadt von Tirana, direkt vor der Oper. Und es kam, was kommen musste: Der nächste Polizist winkte mich zu sich und erklärte mir, dass ich hier ja nicht fahren dürfe. Ich erklärte ihm, dass mir das vollkommen klar wäre und ich hier auch gar nicht fahren will. Doch die Beschilderung in Albanien ist, sagen wir mal, kreativ. Und so erklärte mir der nette Polizist den weiteren Weg nach Pogradec. Kaum hatte ich die Stadt verlassen, wand sich die Straße recht schmal den Berg hinauf. An einer Kreuzung dann die Überraschung: Geradeaus verboten für Lkw über 6m Länge, links verboten für Lkw über 7,5 t. Rechts gab es nichts, umdrehen konnte man auch nicht. So entschied ich mich, links abzubiegen und kam auf eine schöne neue Autobahn, die noch im Bau war. Die eine Richtung war jedoch fertig und ich kam recht zügig nach Elbasan, wo die Autobahn endete. Natürlich stand schon Polizei parat und schimpfte mit mir auf Albanisch. Ich erzählte auf Deutsch, und nach einer Weile merkten wir, dass keiner den anderen versteht und ich durfte fahren. Gegen Abend kam ich dann nach vier Tagen Fahrt bei Pogradec an. Da es dort keinen Zoll gibt, wird dieser an der Grenze Qafe Thane nach Mazedonien gemacht. Hier wurde ich herzlich von Leonardi, dem albanischen Leiter des CHW, begrüßt und gleich zum Essen eingeladen. Über Nacht war ich im Lkw, so ganz traute ich den Wächtern nicht. Und wie erwartet, war der Wachposten nachts auch nur selten besetzt. Am nächsten Tag stellte sich dann heraus, dass die Genehmigung für die zollfreie Einfuhr der Hilfsgüter noch nicht im Ministerium in Tirana unterschrieben war. So hatten wir Zeit und mir wurde Pogradec sowie die Arbeit von Nehemia Gateway gezeigt. Am Abend kam dann Frieder Weinhold, der deutsche Leiter und wir hatten ein gemütliches Abendessen direkt am Ohridsee. Übrigens, der Ohridsee ist der dritt-tiefste See der Welt und es gibt hier den Koran, einen sehr leckeren und seltenen Fisch.

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Am Dienstag war die Frau Ministerin nicht im Büro, erst am Donnerstag mittag war die Ministerin bereit, die Genehmigung zu unterschreiben. Und dann ging alles sehr schnell. Es brauchte kaum eine halbe Stunde, und alle Papiere waren fertig und ich konnte zum Lager nach Pogradec fahren. Am Lager standen schon einige Mitarbeiter bereit, so wurde der Lastwagen mit großer Freude zügig ausgeladen. Von einer Nachbarfirma mieteten wir noch einen Gabelstapler, so dass sich der Lkw leerte und das Lager sich füllte. Das Lager ist ein ehemaliges Kühlhaus aus Enver Hodschas Zeiten. Immer wieder fiel der Strom aus, ein paar Kerzen sorgten für die nötige „Beleuchtung“. Dafür kann es der Verein sehr billig mieten…

Am nächsten Tag durfte ich noch eine Verteilaktion in einem Bergdorf begleiten. Vormittags beluden wir den Unimog, den Nissan Patrol und den T4 Syncro mit Kleidung, Lebensmitteln, Schuhen und Waschmittel. Dann ging es auf die lange Fahrt ins Bergdorf. Luftlinie vielleicht 10km, doch wir waren drei Stunden auf schlechten Wegen unterwegs. In diesem Dorf ist die Armut sehr groß. Früher, zu kommunistischen Zeiten, wurde dieses Dorf angelegt mit dem Ziel, hier das Holz für die Möbelfabriken in Pogradec zu schlagen. Nun sind alle Bäume weg und die Menschen leben von dem, was der Garten hergibt. Bei der Verteilaktion bekamen alle 120 Familien gegen Unterschrift ein Paket. Und nur eine Frau ist mir durch bessere Kleidung aufgefallen, die Lehrerin. Apropos Lehrerin: Der CHW hat hier im Dorf gemeinsam mit der Deutschen Botschaft die Schule renoviert. Und damit die Kinder, die in den umliegenden Bergdörfern wohnen, auch etwas lernen, ein kleines Internat eingerichtet.

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Die Verteilung lief sehr diszipliniert ab, es gab kein Geschrei oder Gerangel. Obwohl es immer wieder in Strömen regnete, warteten alle in Frieden, bis sie aufgerufen wurden. Auch wenn die Albaner Gefühle nicht so sehr zeigen und recht stolz sind merkte man schon, wie sehr sich die Menschen über die Pakete freuten. Und als ich mir die Kleidung der Leute näher ansah merkte ich, dass es bei einigen höchste Zeit für neue Kleider und Schuhe war.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder auf die Rückreise. Und das erste Mal in meinem Leben musste ich auf einer größeren Straße einer Schildkröte ausweichen. Gleiche Strecke, besseres Wetter. So konnte ich doch noch kurz in die kalte Adria und bin dann nach 12 Tagen wieder wohlbehalten zu Hause angekommen.

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Hilfstransport mit Hands-team Einsatz Rumänien April 2014

Matschig, kühl, erfolgreich. So könnte man den diesjährigen Hands-team Einsatz in Rumänien beschreiben. Doch der Reihe nach:

Guten Morgen!

Guten Morgen!

Zu elft waren wir unterwegs. Der Lkw mit Vorsprung, so trafen wir uns Samstag Abends kurz nach der rumänischen Grenze auf einem Lkw-Parkplatz, wo wir auch übernachteten. Vor uns lag eine spannende Zeit: Unser Ziel war, den Lkw voller Hilfsgüter bei verschiedenen DHHN-Projekten abzuladen und dann auf der Boaz-Farm ein kleines Sanitärgebäude zu errichten. Und so machten wir es. Wir brachten zur Suppenküche Calan einige Paletten Lebensmittel, am nächsten Tag dann Nachschub fürs Verteilzentrum in Burgberg. Überall war die Freude über die Hilfsgüter groß, denn ständig kommen arme Menschen vorbei und bitten um Hilfe. Nach einem Besuch im Kinderheim Bazna, wo wir Hilfsgüter und das Geld für die nächste Zeit abgaben, kamen wir am Montag Abend in strömenden Regen endlich bei Rollers auf der Boaz-Farm an. Und wie es auf dem rumänischen Land nun mal so ist, Regen bedeutet Matsch, viel Matsch. Die erste Nach schliefen wir deshalb in den Containern des Lkw.

Man kann auch im Matsch leben. :-)

Man kann auch im Matsch leben. 🙂

Am nächsten Tag stellten wir, auf möglichst pfützenfreien Flächen, unsere Zelte auf und richteten die Küche ein. Gleichzeitig hatten wir eine große Planungsbesprechung mit Bernd. Und dann gings los! Material einkaufen. Das ist in Rumänien nicht so einfach. Ich wollte Balken, Bretter und Latten kaufen. Ein rumänischer Mitarbeiter von Bernd erklärte mir den Weg: In dem und dem Dorf nach der Kneipe mit dem roten Dach links… Natürlich hatte der Holzhändler nicht alles gewünschte, aber man kann ja improvisieren.

Währenddessen fingen die anderen an, Fundamente für das Sanitärhäuschen zu graben und die Baustelle einzurichten. Klaus zeichnete einen genauen Bauplan und so konnten wir in den nächsten Tagen die Balkenkonstruktion aufrichten und das Dach drauf machen. Wegen der „Herausforderungen“ beim Einkauf kamen wir leider nicht ganz so schnell vorwärts wie geplant. Parallel dazu baute ein Zweierteam das neue Toilettenhäuschen mit schwedischer Komposttoilettentechnik und Duftabsaugung.

 

Vorbereitungen fürs Fundament

Vorbereitungen fürs Fundament

Am Wochenende machten wir zwei Ausflüge. Da das Wetter viel besser geworden war besuchten wir die Burgruine bei Saschiz. Das war echt interessant, doch leider sieht man deutlich, wie die einst stolze Burg immer mehr verfällt. Nach dem „Mittagsvesper“ besichtigten wir dann noch die Kirche. Sie war renoviert und sah von außen wir eine normale Kirche aus, nicht wie eine Kirchenburg. Bei der Führung staunten wir nicht schlecht, als uns gezeigt wurde, dass in Notzeiten die ganze Bevölkerung im Dach der Kirche Zuflucht fand. Im ersten Dachgeschoss und die Männer, oben drüber Frauen und Kinder. Neben der Kirche steht noch ein Vorratsturm, der damals mit einer Brücke in schwindelnder Höhe mit der Kirche verbunden war. Am Ostermontag besuchten wir noch Tirgu Mures und feierten Abends das jüdische Passahfest, was uns alles sehr beeindruckt hat.

Doch nun zurück zur Baustelle. Während wir auf der zukünftigen Hofstelle beschäftigt waren, baute Bernd mit ein paar Männern sein neues Gewächshaus im Dorf auf. Hierzu brauche er auch immer wieder Leute von uns. Und überhaupt, es gab immer wieder Aufgaben nebenher. Zum Beispiel die Impfaktion der Ziegen. Ein Gatter mit ca. 40 ausgewachsenen Ziegen und ca. 40 Zicklein. Ziege für Ziege musste eingefangen werden, geimpft und dann in den Stall bugsiert werden. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn das Gatter war am Hang, und der Bodenbelag eine Mischung aus Mist, Lehm, Matsch und Wasser. Eigentlich eher eine tolle Skipiste. Wir alle waren von Dömes vollem Einsatz beim Ziegenfangen begeistert!

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Während die einen dann auf das Sanitärhäuschen das Dach montierten, hatten die Damen der Gruppe parallel dazu das Projekt „Wohnhaus renovieren“. Die Wände, die wir letztes Jahr mit Lehmputz repariert hatten, mit Kalkfarbe streichen. Boden abschleifen, ausbessern und einölen.

Langsam wurde die Zeit eng und so blieben wir Abends immer länger auf der Baustelle. Innen Dampfsperre anbringen und verkleben, Fenster und Tür einbauen. Die Wände verkleideten wir innen mit Triplexplatten, außen wurde die Hütte parallel dazu mit Holz verschalt. Stromkabel ziehen, Abwasser, Frischwasser, Waschbecken, Dusche. Alles viel Arbeit, die man nachher nicht mehr sieht. Aber es war schön zu sehen, wie sich jeder mit seinen Gaben eingebracht hat und viel dazu gelernt hat.

Am Freitag musste ich dann mit dem Lkw die Rückreise antreten. Die Gruppe blieb noch einen Tag und wollte noch so viel wie möglich fertig kriegen. Und wir haben viel geschafft, jetzt muss nur noch der Boiler und das Hauswasserwerk angeschlossen werden, der Linoleumboden verlegt und der Strom angeschlossen werden. Dort, wo vorher ein alter Weinstock stand, steht nun ein kleines Sanitärhäuschen.

Dankbar für alle Bewahrung kam die Gruppe dann Samstag Nacht, der Lkw Sonntag Abend wieder daheim an. Uns hat es echt begeistert, wie viel man in knapp zwei Wochen doch schaffen kann, wenn alle motiviert mit anpacken! Auch dieser Einsatz hat den Horizont von uns allen wieder erweitert. Wir kommen wieder!

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Hilfsgütertransport Uschgorod / Ukraine Mai 2014

Vor einigen Wochen hatte ich mal „testweise“ Transportpapiere an Slawik, dem Leiter des Jugendhauses, geschickt. Zur Zeit ist ja die Übergangsregierung in der Ukraine im Amt, und diese ist sehr mit den Abspaltungstendenzen in der Ostukraine beschäftigt. So ging ich eigentlich nicht davon aus, dass dieser Transport genehmigt, bzw. schnell genehmigt werden würde.

Doch so kann man sich täuschen, innerhalb einiger Tage war die Genehmigung da und so stand dem Transport zum Jugendhaus nichts mehr im Wege. Außer vielleicht die Reisewarnung für die Ukraine vom Auswärtigen Amt. Aber das Jugendhaus ist gerade mal 20km hinter der ukrainisch-ungarischen Grenze, und so hatte ich absolut keine Sorgen. Auch die Leute vor Ort bestätigten mir, dass es absolut kein Problem sei.

Unterwegs im schönen Voralpenland

Unterwegs im schönen Voralpenland

So machte ich mich also auf die Reise, problemlos durch Deutschland und Österreich. Es wurde immer wärmer, und eigentlich gibt es von der Fahrt nicht viel zu berichten, wäre da die Lkw-Kontrolle in Ungarn nicht gewesen. Man muss wissen, man kann sich als Lkw-Fahrer eigentlich fast nicht an alle Regeln halten, da sie sich zum Teil wiedersprechen… Und solche Kontrollbeamte finden immer was, wenn sie denn wollen. Entsprechend mulmig war mir zu Mute, als der Polizist mich auf den Parkplatz winkte. Dann kam ein etwas älterer Beamt zu mir. Nach einer freundlichen Begrüßung fragte er, wohin ich denn wolle. Und Ukraine und Hilfstransport beeindruckten in schon etwas so dass er dann meinte, wir machen nur die Statistik. Ich wusste nicht genau, was er meinte. Nach dem er dann wieder kam und meinte, ich könne jetzt fahren, wars mir klar. Er musste ja seine „Buchführung“ machen, kontrollierte bei mir aber gar nichts…

Polizeikontrolle in Ungarn

Polizeikontrolle in Ungarn

Am Dienstagabend erreichte ich dann die ukrainische Grenze. Hier war sehr wenig los, und alles lief korrekt. Auf der ukrainischen Seite erwartete mich Slawik und gemeinsam machten wir dort alle Papiere. Es sind weniger Stempel geworden, die man braucht. SMAP ist nicht mehr, das macht er Zoll mit, die Ärzte und Ekologia fallen auch weg, nur noch Deklaration, Radiologie und Zoll waren nötig. Das lief alles seinen „gemütlichen“, aber problemlosen Gang und so konnten wir am späten Abend den Lkw noch zum Zollhof in Uschgorod bringen.

Hier wurden am nächsten Morgen in Windeseile die Papiere fertig gemacht, wir konnten schon um 10:30 zum Jugendhaus fahren und anfangen mit abladen. Klasse! Zwar unter Aufsicht eines Zöllners, aber das ist ja kein Problem. Die Jungs vom Jugendhaus, viele sind neu, haben mit Feuereifer den Lkw abgeladen. Slawik und Viktor, aber auch die Jungs, haben sich sehr über die Hilfsgüter gefreut. Sie erzählten, dass sie immer mehr Anfragen bekommen und die Not immer Größer wird. Die Inflation ist groß, inzwischen bekommt man für einen Euro schon 15 Grivnia, früher waren es immer ca. 10 Grivnia…

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Man berichtet mir, dass die Leute sehr gespannt seien, wie es in der Ukraine weitergeht und sehr viele auch große Angst haben. Die Kirchen sind voll und Leute aller Konfessionen kommen zusammen und beten für Frieden. Es wird gemunkelt, dass die Separatisten vor allem aus Russland eingeschleuste Männer sind, die Unruhe bringen sollen…

Nach einem guten Mittagessen machte ich mich dann schon wieder auf die Heimreise. Die Grenze ging so lala… Ein Beamte, der überhaupt keine Lust hatte und dann noch 1,20€ für die Benutzung der Straße von mir wollte (Das Geld ist ja nicht das Problem, aber es geht ums Prinzip. Hilfstransporte sind von der Gebühr befreit, und wenn man weiter ins Land fährt, wird es schnell mehr). Nach einer viertel Stunde Stillstand erklärte ich ihm folgendes: Sie wollen ja gerne von der Nato Hilfe, ich bringe jetzt schon Hilfe, und wenn sie mit der Nato so umgehen wie mit mir wird das wohl nix. Ich weiß nicht, was er verstanden hat, aber es hat auf jeden Fall geholfen! J

Am späten Nachmittag konnte ich nach Ungarn einreisen und brauchte dann noch zwei Tage für eine problemlose Heimreise. Naja, bis auf den Stau vor Stuttgart…

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„Das könnte doch mal wieder ein ganz normaler Hilfstransport werden“ war mein Gedanke, als ich sonntagmorgens auf recht leeren Autobahnen einen Lkw voller Hilfsgüter in den Osten fuhr. Ziel ist diesmal Minsk in Weißrussland. Es ist eine schöne Fahrt, über Nürnberg, Chemnitz und Dresden an die Deutsch-Polnische Grenze bei Görlitz. Auch durch Polen geht es gut weiter. Hier hat die EU jede Menge neue Autobahnen gebaut, die man aber per Maut teuer bezahlen muss. Deshalb fahre ich nach wie vor die alten Landstraßen, die breit sind, aber kaum noch Verkehr haben. Quer durch Polen, ich komme an Städten wie Breslau und Warschau vorbei. Gegen 16 komme ich an die Grenze nach Russland, und fahre an ca. 3km Lkw-Stau vorbei. Doch dann ist auch auf der zweiten Spur, die ich gerade nutze, eine Lkw Schlange. Noch 2km bis zur Grenze. Und durch einen Gefallen, den ich jemand mache, komme ich auf die innere Spur und kann die Schlange nicht mehr verlassen. Geduld über ist angesagt.

endlich vorne!

endlich vorne!

Gegen 20 Uhr komme ich an die Grenze. Hier auf polnischer Seite klappt es sehr gut und schnell, schon nach 10 Minuten geht’s weiter. Vor mir geht die Straße ca. 3km, eingerahmt von einem grünen Stahlzaun, bis zur eigentlichen Landesgrenze. Und ab dort von der Brücke den Bug bis zum Zollhof verbringe ich weitere 3-4 Stunden. Geduld üben ist angesagt. Im Zoll nimmt dann alles seinen gewohnten Gang. Und siehe da, es gibt keine Probleme! Keine Nachfragen, keine fehlenden Papiere, kein Androhen von Abladen, kein Röntgen. Alles nimmt seinen Gang und so kann ich um 4 Uhr morgens Ortszeit nach Weißrussland einreisen.

Direkt nach der Grenze „übernachte“ ich dann auf einem bewachten Parkplatz, der zu der Werkstatt gehört, die mir im Sommer die Hydraulikleitung geflickt hatte. Am späten Vormittag geht’s weiter: Erstes Projekt: Eine Beltoll Mautbox kaufen. Dort erfahre ich, wie ich auch schon wusste, dass Hilfstransporte von der Maut befreit sind. Ich hatte mir extra im Vorfeld einen Antrag aus dem Internet heruntergeladen und ausgefüllt, und gab diesen dort ab. Das brachte die Leute aus dem Konzept. Hier anrufen, dort anrufen… Keiner konnte deutsch oder englisch… So mache ich ihnen mit Hilfe eines anderen Fahrers klar, dass ich einfach so eine Box kaufen möchte und dann später den Mautbefreiungsantrag in Minsk abgeben werde. Antwort: Jetzt können sie mir keine Box mehr verkaufen… Na gut denke ich, fahre ich halt zur nächsten Tankstelle und kaufe dort eine Box. Doch es kommt keine Tankstelle mit beltoll Service mehr. Da mir das alles ziemlich merkwürdig vorkommt, halte ich bei einem Polizeiauto an und frage dort. Die bringen mich zu einem anderen Polizeiauto, und dort kennt man sich etwas mehr aus: Ich müsse 520€ Strafe bezahlen, da ich ohne Beltoll- Box unter zwei Mautbrücken durchgefahren bin. Alles Diskutieren bringt nichts. Im Prospekt, den ich vorher erhalten habe, steht schwarz auf weiß, dass Hilfstransporte von der Maut befreit sind. Egal. Telefonate mit dem Empfänger in Minsk ändern auch nichts. Nach ca. 4 Stunden kann ich dann die Strafe direkt im Polizeiauto mit Visakarte bezahlen…

Ärger mit Beltoll, Hilfstransporte sind von der Maut befreit. Nur keiner weiß, wie!

Ärger mit Beltoll, Hilfstransporte sind von der Maut befreit. Nur keiner weiß, wie!

Igor, unser Kontaktmann in Minsk, macht mir Hoffnung, dass ich das Geld zurückbekomme. Mein Fall ist einfach im System nicht bedacht worden, so erklärte es ihm der Polizist. Der wiederum auch keine andere Möglichkeit hatte, da alles automatisch im Computer aufgezeichnet war…

Nun, so konnte ich dann zur nächsten Beltoll-Servicestelle fahren und dort eine Box kaufen. Der arme Verkäufer war ziemlich überfordert mit seinem Computer, gemeinsam haben wir es dann innerhalb einer Stunde geschafft. Acht Unterschriften und ich hatte die legendäre Box endlich in meinen Händen!

Noch 350km bis Minsk, leider muss ich in der Dunkelheit fahren, was ich dort im Osten nur sehr ungern mache. Doch ich muss am nächsten Morgen am Zoll sein, sonst läuft die Frist ab. Alles geht gut und ich habe eine ruhige Nacht auf dem Zollhof. Am nächsten Morgen geht der Zoll an Blitzschnell. Keine halbe Stunde, und wir können schon zum Abladen. Das einzig kuriose: Ich muss noch eine Bescheinigung organisieren, wie lange das mitgebrachte Spülmittel haltbar ist.

Nun geht’s quer durch die Stadt zum Invalidenverein. Wie immer, alles zugeparkt. Wieder Geduld üben, nach 1,5 Stunden für 70 Meter bin ich endlich am Ziel. Igor kommt mit 10 Mann von der Rehastation und so wird der Lkw abgeladen. Alle sind mit Eifer dabei, und so leert sich der Lkw und das Lager wird immer voller. Die Organisatorinnen vom Invalidenverein strahlen übers ganze Gesicht und freuen sich über all die Güter, die sie weitergeben können.

Während der Lkw noch abgeladen wir besuche ich mit Igor das Rehazentrum. Es ist schön zu sehen, wie es sich weiterentwickelt und wie Menschen frei von Drogen und Alkohol werden.

Igor und Oleg fahren mit mir zum Rehazentrum

Igor und Oleg fahren mit mir zum Rehazentrum

Am frühen Nachmittag geht’s dann wieder gen Westen. Mit vollen Tanks, hier kostet der Diesel nur knapp 0,80€, geht’s zur litauischen Grenze. Denn nur hier darf der Tank voll sein. 13 Kilometer vor der Grenze fängt der Lkw-Stau an. Ich fahre zügig vorbei, werde dann aber von mehreren Fahrern, die mitten auf der Straße stehen, angehalten. Nach einer recht ruhigen Diskussion darf ich weiter fahren und komme direkt bis vor den Schlagbaum. Hier ist zähes diskutieren mit dem Grenzpolizisten angesagt, nach ca. einer Stunde darf ich dann in den Zollhof. Im Zoll sind rund 30 Fahrer, die vor vier Schaltern, wovon zwei besetzt sind,  stehen. Ich gehe an einen Schalter vor und erkläre den Fahrern dort, dass ich Hilfsgüter zum Invalidenverein gebracht habe und ob ich denn vor darf. Jetzt geht das Gezeter los: Ich sei doch leer und deshalb kein Hilfstransport mehr. Und überhaupt. Zum Glück verstehe ich kein russisch, aber das Geschrei ist groß und dem Tonfall nach zu urteilen sind sie nicht sehr begeistert von mir. Ich frage sie dann auf Deutsch, ob sie denn Egoisten sein wollen. Ich komme aus Deutschland und bringe ihren Invaliden Hilfe. Ein paar werden ruhiger, aber die Rädelsführer bleiben bei ihrer lautstark vertretenen Meinung: Sobald der Lkw leer ist, ist es kein Hilfstransport mehr. Nun denn, ich stelle mich etwas seitlich hin und warte mal ab. Theoretisch sind 20 Mann vor mir dran, wie man anhand der nummerierten Laufzettel erkennen kann. 20 Mann a mind. 10 Minuten…

Tatsächlich hält sich aber keiner so richtig an die Nummern… Die Diskussion über mich hat sich in die linke Seite des Raumes verlagert, ich stehe rechts alleine. Und plötzlich wird der Schalter direkt vor mir frei. Und ich bin der einzige, der dort steht und das merkt. Ich zöger kurz, doch die Zöllnerin sagt dawai und ich gebe meine Papiere rein. Es brauchte keine Minute, und die anderen haben es auch bemerkt und kommen lautstark schreiend her. Ich mache ihnen Platz und sie reden auf die Beamtin ein. Die sagt irgendeinen Satz zurück und alle sind friedlich. Vielleicht sollt ich mir den Satz mal aufschreiben lassen! J

Und jetzt ist es endlich soweit: Mein Gedanke von der Abfahrt erfüllt sich. Ab jetzt wird es eine ganze normale Rückreise, ohne irgendwelche Probleme. Über Vilnius, Kaunas, Suwalki, Warschau, Breslau komme ich wieder nach Deutschland. Und am Sonntagabend bin ich wieder dankbar und glücklich zu Hause.

Viele weitere Bilder!

Hier finden Sie noch weitere Bilder von diesem Hilfstransport nach Minsk/Weißrussland.

Hilfstransport in die Ukraine März 2014

Die Situation in der Ukraine war und ist immer noch sehr spannend. Wir hatten für Anfang Februar einen Hilfstransport zu unserem Dorfkrankenhaus in die Ukraine geplant. Doch kamen dann die Demonstrationen mit all den schlimmen Ausschreitungen und leider vielen Toten in Kiev dazwischen. Dann waren tageweise die verschiedenen Grenzen blockiert. So verschoben wir den Transport immer wieder. Endlich gab es einen Lichtschimmer, Janukowitsch war geflüchtet, die neue Regierung fing an zu arbeiten, die Polizei wechselte auf die Seite des Volkes.

Das war unsere Chance! Am Freitag, den 28. Februar 2014, startete der Hilfstransport in die Ukraine. Der Lkw war voll beladen mit Rollstühlen, Gehilfen, Matratzen, Krankenhausbetten, Reinigungsmitteln, Kleidung, Decken und Schuhen. Nach dem verzollen in Horb gings es auf die lange Reise in den Osten. Über Hof und Dresden erreichten wir Polen, wo wir in der Nähe von Piotrkov Trybunalski übernachteten. Morgens mussten wir am Anhänger eine Luftleitung reparieren, sie hatte sich durchgescheuert. Aber das ist inzwischen Routine.

kleine Reparatur am Anhänger

kleine Reparatur am Anhänger

Am Abend erreichten wir die Grenze zur Ukraine. Die polnischen Zöllner fragten uns, ob wir zum Maidan wollen. Aber die Abfertigung verlief zügig. Auch an der ukrainischen Seite war nur wenig los. Die Beamten waren sehr freundlich und so konnten wir in Rekordzeit die Grenze überqueren und an der nächsten Tankstelle übernachten.

Am nächsten Morgen sahen wir, dass die Straßensperre komplett weggeräumt war und konnten uns auf die langsame Fahrt auf schlechten Straßen zu unserem Dorfkrankenhaus machen. Unterwegs erfuhren wir von Putins Aktivitäten auf der Krim. Ganz wohl war uns nicht, doch zum Glück ist die Krim weit weg. Eine kurze Pause an einem Friedhof für gefallene Soldaten lies mich sehr nachdenkloch werden. Schon einmal mussten im Kampf in der Ukraine tausende Menschen sterben. Lasst uns beten, dass es für die jetzigen Entwicklungen eine gute Lösung gibt.

abgebaute Barrikade an der Grenze

abgebaute Barrikade an der Grenze

Gegen Abend erreichten wir Ternopil. Auf der Zufahrt zur Umgehungsstraße war eine Straßensperre aufgebaut. Reifen, Paletten, einige Männer. Zögernd fuhr ich hin. Umdrehen bringt ja auch nichts. Ich kurbelte das Fenster runter und war gespannt, was kommt. Doch der Mann fragte mich freundlich, wo ich den hinwolle und was ich dabei hätte. Er freute sich sichtlich, dass wir Hilfe für das Dorfkrankenhaus Ilawtse haben. So konnten wir problemlos passieren und schlugen unser Nachlager im Zollhof auf.

Am nächsten Morgen kamen dann Mitarbeiter vom Krankenhaus und machten die Papiere fertig. Schon am späten Vormittag konnten wir zum Krankenhaus fahren. Unterwegs wieder Straßensperren, diesmal wurden wir gar nicht angehalten. Die Straßen haben diesen Winter wieder sehr gelitten… sie werden Jahr für Jahr rapide schlechter.

Das war mal eine Autobahn...

Das war mal eine Autobahn…

Im Dorfkrankenhaus angekommen geht es unter der Aufsicht vom Zollbeamten ans abladen. Das Hilfsgüterlager füllt sich wieder, die Mitarbeiter sind froh über den Nachschub. Besonders die Inkontinenzprodukte begeistern sie. Denn diese machen die Arbeit doch wesentlich angenehmer. Zum Mittagessen sind wir beim Chefarzt eingeladen, es gibt guten ukrainischen Borscht.

Beim Krankenhaus besichtigen wir noch das neue Gebäude. Denn in unserem Krankenhaus sollen Studenten ihr Praktikum machen. Dieses Projekt wurde von der einem Minister der alten Regierung vornagetrieben. Für uns ist das sehr gut, denn die Studenten packen auch praktisch mit an und entlasten so unsere Mitarbeiter. Doch jetzt in dem ganzen Umbruch sind wir gespannt, ob und wie das weitergeht.

Während der Lkw abgeladen wird, treffen wir Iwan (Name geändert).  Er wartete gerade auf eine Verwandte, die im Krankenhaus zur Behandlung war. Er war auf dem Maidan und berichtete uns mit vielen Bildern von seinen Erlebnissen. Dieser ganz normale Ukrainer war mehrmals für mehrere Tage nach Kiew gereist um an den Protesten auf dem Maidan-Platz teilzunehmen. Ohne vorher mit ihm gesprochen zu haben, zeigte er uns Fotos auf seinem Handy, welche er während den Protesten geschossen hatte. Man sah neben den ganzen Bildern, die jeder aus dem Fernsehen kannte, auch den Alltag auf dem Platz: wie Menschen in Zelten schliefen, sich an Feuern wärmten oder Plakate mit Aufschriften hielten. Sehr beeindruckend war, wie nahe sich die Bergkut-Schlägertrupps und die Demonstranten gegenüberstanden. Hierzu hat er mehrere Fotos geschossen und darauf hingewiesen in welchen Bussen sie kamen, wo sie standen und was sie machten. Uns hat es nachdenklich gemacht, dass selbst vom Land um Ternopol die Leute zu den Protesten in das entfernte Kiew reisten um an den Protesten teilzunehmen.

 

Er berichtete uns von seinen Erlebnissen auf dem Maidan.

Er berichtete uns von seinen Erlebnissen auf dem Maidan.

Am frühen Abend ist der Lkw leer und wir beschließen, gleich noch zurück in die Stadt zu fahren und dort zu übernachten. SO sparen wir Zeit. Denn wegen der Situation auf der Krim wollen wir die Ukraine möglichst schnell verlassen. Nicht dass wir Angst um uns hätten. Im Gegenteil, wir fühlten uns sicher. Die Stimmung in der Ukraine war sehr positiv, die Menschen freundlich, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Obwohl keine Polizei arbeitet, halten sich sogar die „mafia-Leute“ mit ihren dicken Fahrzeugen plötzlich an Geschwindigkeitsbegrenzugen. Als die Polizei noch aktiv war, hat das nicht funktioniert. Man spürt in der Ukraine eine Aufbruchsstimmung.

Wir stellen den Lkw auf einem bewachten Parkplatz ab und fahren mit dem Taxi noch ins Stadtzentrum. Dort hat es auch ein paar Barrikaden und Zelte. Und ganz viele Blumen und Kerzen. Aus Ternopil sind drei Menschen in Kiev erschossen worden. Was hier im Westen kaum erwähnt wird: Es sind noch immer über 300 Menschen, die auf dem Maidan waren, vermisst.

Gedenkstelle für die Opfer der Revolution

Gedenkstelle für die Opfer der Revolution

Am nächsten Morgen geht’s dann wieder gen Westen. Wir fahren auf einer kleineren Straße um kommen so nicht an Lvov vorbei. Man weiß ja nie. Auf katastrophalen Straßen kommen wir problemlos nach einer schönen Karpatenüberquerung nach Ushgorod. Hier können wir an unserem Jugendhaus übernachten und uns duschen. Slwaik und Viktor, die Leiter des Heims freuen sich über unseren Besuch, und so erzählen wir noch lange…

Am nächsten Tag geht’s dann über die Grenze nach Ungarn. Und man höre und staune: Der Beamte, der bisher von mir immer 5 oder 10 Euro wollte, diese aber nie bekommen hat und entsprechend schlecht auf mich zu sprechen war, war plötzlich richtig freundlich und fragte nicht nach Euro! Hoffen und beten wir, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und die Ukraine die Korruption besiegt!

Der ukrainische Zoll verlief sehr gut, doch die ungarische Seite war recht mürrisch und kontrollierte ganz genau auf Zigaretten. Ein paar Lkw vor uns wurde das halbe Fahrerhaus zerlegt, alle anderen durften warten… Erst am Nachmittag waren wir fertig und wirklich froh, wieder in der EU zu sein.

Über Budapest, Wien und Linz kamen wir wieder nach Deutschland. Hier konnten wir noch eine komplette Lkw-Ladung lang haltbare Lebensmittel abholen, wofür wir sehr dankbar sind. Am Abend kamen wir dann wohlbehalten und dankbar wieder zu Hause an.